Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 27.08.2019


Bezirk Kufstein

Wohnungsvergabe in Wörgl bleibt umstritten

Die im Wörgler Gemeinderat begonnene Diskussion um die Vergabe von Wohnungen durch die Stadt geht weiter. Eine Antragstellerin wirft mehreren Ausschussmitgliedern Bevorzugung von Bewerbern vor.

Trotz der Richtlinien, die bei der Wohnungsvergabe in der Stadt Wörgl zur Anwendung kommen, bleiben oft Zweifel an der Objektivität.

© OtterTrotz der Richtlinien, die bei der Wohnungsvergabe in der Stadt Wörgl zur Anwendung kommen, bleiben oft Zweifel an der Objektivität.



Von Wolfgang Otter

Wörgl – Es war die letzte Gemeinderatssitzung in Wörgl vor der Sommerpause, als ein Antrag der bürgerlichen Listen (Volkspartei, Team Wörgl und Junge Wörgler Liste) und Grünen aufhorchen ließ. Man wolle hinkünftig die Protokolle des Wohnungsvergabeausschusses einsehen dürfen, da „die Abwicklung der Vergabe intransparent“ verlaufe, so die Begründung. Der Vorsitzende des Ausschusses, SPÖ-NR GR Christian Kovacevic (Liste Wechner), wies das zurück und beschuldigte seinerseits die bürgerlichen Mandatare, bei den Stadtbediensteten zugunsten von Wohnungswerbern zu intervenieren.

War das alles nur ein politisches Vorsommertheater? Nicht, wenn es nach einer Wörglerin geht, die sich bei der TT meldete, aber nicht namentlich in der Öffentlichkeit genannt werden möchte. Sie und ihre Familie seien Opfer von Freunderlwirtschaft im Ausschuss geworden, sagt die Frau. Da sie mit ihrem kleinen Kind und ihrem Mann in einer schimmeligen und viel zu kleinen Eigentumswohnung lebe, habe man sich für ein größeres Objekt bei der Stadt angemeldet. Alles in allem, so schätzt die Wörglerin gegenüber der TT, hätte man aufgrund der Vergaberichtlinien die ausreichende Zahl an Punkten aufgewiesen. Die Hoffnung war, dass sie ein größeres Objekt erhalten können. Als das zu vergeben war, bekam aber den Zuschlag jemand – mit ihrer Ansicht nach – weniger entsprechenden Voraussetzungen. Da, so glaubt die Wörglerin, haben Mitglieder der Liste Wechner andere Bewerber bevorzugt.

Sozialreferent Christian Kovacevic von der angesprochenen Liste weist diese Anschuldigung zurück. Es sei alles korrekt gewesen, die Familie, die den Zuschlag erhielt, habe die entsprechenden Bedingungen erfüllt. Ausschlaggebend war u. a., dass die abgewiesene Wörglerin bereits eine Eigentumswohnung hatte. „Wir haben uns die Vergabe nicht leichtgemacht und eine halbe Stunde darüber diskutiert“, erklärt Kovacevic. Und, so der Referent, „die Wohnungen vergebe nicht ich, sondern der gesamte Ausschuss. Und 99 Prozent dieser Vergaben erfolgen einstimmig.“ Was angeblich laut Informationen der Wörglerin nicht geschehen sei. Sie wisse von Gegenstimmen.

Dass Wohnungsvergaben an und für sich eine heikle Materie sind, liegt in der Natur der Sache. „Wir haben 400 bis 500 Wohnungswerber, die Zahl schwankt sehr stark. Aber bei unserer monatlichen Sitzung können wir mal vier bis fünf, mal acht bis zehn Wohnungen vergeben“, bestätigt Kovacevic das Problem. Da komme es oft vor, dass sich Bewerber benachteiligt fühlen, obwohl dies nicht so sei. So sieht es auch die Wörgler Bürgermeisterin Hedi Wechner. Wobei sie sich generell „nicht in die Wohnungsvergabe einmischt. Dazu gibt es einen Ausschuss.“ Sie verstünde die Enttäuschung der abgewiesenen Bewerber, aber „die Vergaben erfolgen so objektiv, wie es möglich ist“. Auch der der TT vorliegende Fall sei ihr bekannt. „Es haben vier Ausschussmitglieder gegen diese Bewerber gestimmt“, tritt sie dem Vorwurf entgegen, dass die „Liste Wechner“ (sie hat zwei Sitze) jemanden bevorzugen wolle. Was man am Vergabeprozedere transparenter machen könne, wisse sie nicht, aber es dürfe auch nicht sein, „dass man jenem Bewerber die Wohnung gibt, der am lautesten schreit“.

Was nun den Antrag der bürgerlichen Listen für die Protokollfreigabe anbelangt, erinnern BM Wechner und Kovacevic daran, „dass jeder Fraktionsführer diese einsehen kann“. Für Wechner hat das Ganze ohnedies nur einen politischen Hintergrund.