Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 29.08.2019


Innsbruck-Land

Explodierende Wohnpreise: Zirl zieht die Notbremse

Bis es einen Weg gibt, der leistbares Wohnen sicherstellt, sollen keine größeren freifinanzierten Projekte mehr genehmigt werden.

Drei politische Fraktionen, ein Ziel: GV Josef Gspan, BM Thomas Öfner, GR Alfred Stecher (v. l.) wollen leistbaren Wohnraum in Zirl schaffen und dazu die Instrumentarien der Vertragsraumordnung ausnützen.

© DaumDrei politische Fraktionen, ein Ziel: GV Josef Gspan, BM Thomas Öfner, GR Alfred Stecher (v. l.) wollen leistbaren Wohnraum in Zirl schaffen und dazu die Instrumentarien der Vertragsraumordnung ausnützen.



Von Denise Daum

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Zirl – Das Schaffen von leistbarem Wohnraum ist in Tirol eines der vorherrschenden Themen. Der Druck auf die Gemeinden wird immer größer. Die Marktgemeinde Zirl ist da keine Ausnahme. Bürgermeister Thomas Öfner beklagt eine „dramatische Preissteigerung“ bei Immobilien. „Von leistbar sind wir weit, weit weg.“ Für einen Quadratmeter Baugrund sind bis zu 1000 Euro zu berappen, bei den Wohnpreisen wurde bereits die 7000-Euro-Marke pro Quadratmeter geknackt. Gemeindevorstand Josef Gspan, Obmann des Raumordnungsausschusses, ergänzt: „Die Preise sind extrem. So wie es bislang in Zirl gelaufen ist, geht es nicht weiter.“ Nachdem aktuell wieder neue Wohnbauprojekte in Planung sind, zieht die Marktgemeinde nun die Reißleine. „Wir müssen den Bauträgern die Stopptafel zeigen“, erklärt Gspan.

Bürgermeister Öfner, Gemeindevorstand Gspan und Wohnausschussobmann Alfred Stecher haben sich deshalb zusammengetan und juristisch Hilfe gesucht. Demnach sollen die Möglichkeiten der Vertragsraumordnung ausgeschöpft werden, um leistbaren Wohnraum sicherzustellen. Bis geeignete Instrumentarien gefunden wurden und entsprechende Musterverträge erstellt wurden, sollen für Projekte, bei denen mehr als drei Wohneinheiten errichtet werden, keine Bebauungspläne mehr erlassen werden. Ausgenommen davon sind Projekte, bei denen leistbares Wohnen sichergestellt ist. Das soll der Marktgemeinde Zeit verschaffen. Bürgermeister Öfner erklärt, dass er Projekte nicht bis zum St. Nimmerleinstag aufschieben möchte. „Wie lange das dauert, kommt auch auf die Partner an.“ Sprich, wie einsichtig die Bauträger sind. Konkret sollen Rahmenbedingungen erarbeitet werden, die die Wirtschaftlichkeit der Bebauung beeinflussen und Wohnraum zu erschwinglichen Preisen möglich machen. Dass das ein schwieriger Spagat ist, wissen die drei Gemeindevertreter. „Wunschkonzert“ werde es keines. „Unsere Möglichkeiten sind gedeckelt“, erklärt Stecher. Wie viel Handhabe die Marktgemeinde dann tatsächlich hat, wird sich erst zeigen.

Neben diesen Maßnahmen soll auf den (wenigen) gemeindeeigenen Grundstücken leistbarer Wohnraum geschaffen werden.

Im Raumordnungsausschuss wurden die genannten Maßnahmen am Dienstagabend einstimmig beschlossen. Heute in einer Woche soll der Gemeinderatsbeschluss folgen. Thomas Öfner hofft, dass dieser einstimmig ausfällt. „Das würde die Position der Marktgemeinde Zirl bei Verhandlungen stärken.“