Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 30.08.2019


Landespolitik

Barrieren sollen Wanderweg sichern

Wanderern reicht es nun: Sie wollen nicht mehr länger die Kundler Klamm trotz Fahrverbots mit Radlern, Mopeds und sogar Pkw teilen. Polizeikontrollen schrecken die Verkehrssünder aber nicht ab.

Die Schluchtenstrecke ist äußerst schmal.

© HaunDie Schluchtenstrecke ist äußerst schmal.



Kundl – Da wurde es richtig eng. Als Wanderer in der Kundler Klamm auf einen Pkw trafen, blieb nicht mehr viel Platz für sie und den Pkw zwischen Felsen und Abgrund. „Ich musste mich gegen die Felsen drücken und der Seitenspiegel des Autos hätte mich beinahe gestreift, auch die Reifen waren nicht gerade weit von mir weg, da der Weg ja schmal ist und wenig Ausweichen bietet“, erzählt ein Kundler, der die Begegnung miterlebte.

Mopeds und Fahrräder gehören ohnedies zum gewohnten Bild auf dem Wanderweg, Pkw sind noch selten, wenn auch angeblich nach Erzählungen von Spaziergängern ebenfalls vermehrt unterwegs. Und das obwohl ein striktes Fahrverbot ab dem Gasthaus Kundler Klamm bis nach Wildschönau durch die Schlucht besteht. Es wird auch von der Polizei im Rahmen ihrer Möglichkeiten kontrolliert und Verkehrssünder bestraft. Aber die abschreckende Wirkung scheint nur gering, wie die vielen Begegnungen zeigen.

Das Thema ist nicht neu, „aber eine Begegnung mit einem Auto dürfte nur ganz, ganz selten sein und das Foto der Schnappschuss des Jahres“, meint dazu der Wildschönauer Bürgermeister Johannes Eder zum Bild eines durch die Klamm fahrenden Pkw, das der TT zugeschickt wurde.

Trotzdem gibt es nun Stimmen, die am Beginn und am Ende der Schlucht, also in Kundl und Wildschönau, eine für Mopeds, Radler und natürlich auch Pkw unpassierbare Barriere verlangen. Bürgermeister Eder, der sich nur mit wenigen Beschwerden konfrontiert sieht, geht das derzeit noch zu weit.

„Wir haben einen Schranken und Gitter für die Winter­sperre oder bei Steinschlaggefahr“, berichtet der Kundler Bürgermeister Anto­n Hoflache­r. Die Barriere bremst aber nicht jeden ein, wie sich zeigte. Zweimal wurde der Schranken während des Winters bereits mit brutale­r Gewalt in seine Einzelteile zerlegt und „in die Ache geworfen“, berichtet Hof­lacher. „Es ist zum Aus-der-Haut-Fahren“, ärgert er sich über die Uneinsichtigkeit der Vandalen sowie der Radler und Mopedfahrer. Eine ständige Absperrung des Weges sei jedoch insofern schwierig, „weil wir natürlich auch an Familien mit Kinderwägen denken müssen“, sagt der Kundler Gemeindechef. Und wo ein Kinderwagen, eventuell sogar noch einer für Zwillinge, durchpasst, tut es zumindest ein Rad auch.

Dabei ist das Unfallrisiko in den teils uneinsichtigen Kurven sehr hoch. Ein Gutachter kam zum Schluss, dass eine von Kundl zu gewissen Randtageszeiten gewünschte gemischte Nutzung von Fußgängern und Radlern auf dem engen Weg viel zu gefährlich wäre. Noch mehr an schönen Wochenenden, wo Hunderte Wanderer unterwegs sind. „Ich verstehe den Ärger der Fußgänger. Da muss schärfer von der Polizei kontrolliert werden“, fordert Kundls Vize-BM Michael Dessl. (wo)