Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 30.08.2019


Bezirk Schwaz

Kinder-Reha nutzen, um künftig Lärm zu reduzieren

Die Mehrheit im Wiesinger Gemeinderat stimmte Mittwoch für die erforderliche Flächenwidmungsänderung zum Bau der Kinder-Reha.

Zehn der fünfzehn Mandatare stimmten für die Widmungsänderung, drei waren dagegen, zwei enthielten sich der Stimme.

© DählingZehn der fünfzehn Mandatare stimmten für die Widmungsänderung, drei waren dagegen, zwei enthielten sich der Stimme.



Von Angela Dähling

Wiesing – Mit den neun Stimmen der Liste von Bürgermeister Alois Aschberger und jener von GR Stefan Danzl wurde Mittwoch die Änderung des Flächenwidmungsplanes für die geplante Kinder-Reha in Wiesing beschlossen. Wie berichtet, war ein neuerlicher Widmungsbeschluss für den Reha-Bau nötig. Unter anderem, weil aufgrund der Lärmsituation die Südostfassade baulich geschlossen ausgeführt werden muss.

„Ich tue nichts, außer die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten. Wir machen alle­s, wie der gesetzliche Ablauf es vorsieht“, unterstrich BM Aschberger mehrfach. Dem Beschluss ging eine Diskussion voraus, bei der der Bürgermeister mehrere Personen zu Wort bat, die der SeneCur­a (sie baut die Kinder-Reha) nahestehen: Der Primar der Kinder-­Reha in Wildbad erläutert­e die Abläufe in einer solchen Einrichtung (Zitat: „Ein­e Kinder-Reha ist Therapie, nicht Erholung und Freizeit“) und wies auf deren Wichtigkeit in Tirol hin. Zum Thema Lärm und geschlossener Fassade äußerte er sich nicht. Die Fenster in der Kinder-­Reha in Wildbad könne man öffnen, antwortete er auf die Frage von GV Maria Chelucci. Der Planer der Wiesinger Kinder-Reha erklärte, dass die Fassade im Südosten nur dann mit Fenstern, die nicht zu öffnen sind, ausgeführt werden müsse, wenn hier Patienten untergebracht werden. Und die Eltern eines Kindes, das in Garmisch auf Reha war, erklärten, die dortige Kinder-Reha sei mitten im Zentrum in Bahnhofsnähe. Den Kindern dort sei der Lärm wurscht, sie würden nur rasch gesund werden wollen. Sie seien mit Therapien beschäftigt und die Nähe zu Eltern und Familie sei für die Genesung weitaus wichtiger als die Frage nach Zug- und Autolärm.

Bürgermeister Aschberger fasste zusammen: „Die Erreichbarkeit durch Eltern und Geschwister ist das Wichtigste für die Therapie. Und wir hängen uns am Lärm auf.“ Dem ließ der Dorfchef scharfe Kriti­k am nicht anwesenden Fritz Gurgiser vom Transit­forum folgen. Gurgiser setzt sich bekanntlich seit Monaten dafür ein, dass ein anderer, nicht lärmbelasteter Standort in Tiro­l für die Kinder-Reha gefunden wird. Und er wartet seit Monaten vergeblich auf Beantwortung seiner Schreibe­n an die Gemeinde Wiesing.

„Wir werden alles versuchen, um diesen Standort umzusetzen. Ich lasse mir ihn und Wiesing nicht schlechtmachen“, gab sich BM Aschberger kämpferisch. „Wenn eh alles passt und so super ist, warum holst du den Kindern zuliebe nicht ein ärztliches Gutachten für den Standort ein?“, konterte Maria Chelucc­i von der Opposition. Das werde später im Rahmen der sanitätsrechtlichen Prüfung eingeholt, erklärte der Gemeindechef.

Chelucci wies nochmals auf Lärmmessungen hin, gemäß derer es zu laut für ein Wohngebiet auf dem künftigen Kinder-Reha-Areal wäre, und darauf, dass es für den einstigen Reha-Standort nahe dem Autobahnkreisverkehr sogar ein Lärmgutachten gebe, für das gar keine Messung durchgeführt worden sei. „Vertrauensmissbrauch“ warf sie hier dem Bürgermeister vor. Chelucc­i: „Wir wollen Wiesing nicht schlechtmachen. Wir bringen nur ans Licht, dass es zu laut ist.“

Auch aus dem Publikum gab es immer wieder Wortmeldungen. Ein Wiesinger fragte, ob den Anrainern der Kinder-Reha klar sei, dass sie mit dem Protest ihre Häuser abwerten. Besser sei es, für die Reha zu sein und zu sagen, man wohne ruhig. Das steigere den Wert der Häuser.

Bürgermeister Aschberger sieht jede Menge Chancen für Wiesing durch den Kinder-Reha-Bau. „Das wäre der Startschuss, um ganz viel für Wiesing erreichen zu können“, sagte er und nannte Verkehrskonzepte und Geschwindigkeitsbeschränkungen als Beispiele. Durch das Geld, das die Reha dem Ort bringe, könnten zudem auch Wanderwege gestaltet werden. Aschberger: „Ich glaube, ohne Reha hätte Münster auch keinen Bahnhof bekommen.“ Ein Anrainer konterte, bisher sei vom Dorfchef aus nie die Rede von einem Verkehrskonzept gewesen. Der Lärm mache krank, aber er habe das Gefühl, dass man diese Probleme nicht öffentlic­h ansprechen dürfe.

Auch der Bebauungsplan wurde mit elf von 15 Stimmen beschlossen. Die zwei Baukörper der Kinder-Reha sollen maximal drei Geschoße hoch sein und 21 Meter Abstand zur angrenzenden Wohnsiedlung aufweisen.