Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 31.08.2019


Bezirk Kufstein

Bauschuttdeponie in Schwoich: Charmeoffensive ging ins Leere

Schwoicher legen sich weiter gegen die Bauschuttdeponie quer. Als Beweissicherung soll eine Datenbank mit den Blutwerten der Bewohner angelegt werden.

BI-Obmann Armin Hofreiter vor dem vollen Saal im Gasthaus Neuwirt, in dem die Volksseele kochte.

© OtterBI-Obmann Armin Hofreiter vor dem vollen Saal im Gasthaus Neuwirt, in dem die Volksseele kochte.



Von Wolfgang Otter

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Schwoich – Das Geschehen erinnert an das kleine gallische Dorf im berühmten Asterix-Heft. Das Dorf heißt Schwoich, der Gegner ist die Rohrdorfer-Gruppe, der Streitgegenstand die Baurestmassendeponie. Und die kommt für die Bürgerinitiative (BI) auch ohne Asbest nicht in Frage. Da blieben noch genug andere bedenkliche Stoffe übrig, die abgelagert werden sollen und die Menschen in Schwoich vergiften könnten – so die Ansage. Daher stimme man maximal einer so genannten Innert-Deponie für unbelasteten Bauschutt zu. Und wer denkt, dass nur die unmittelbaren Anrainer Angst um ihre Gesundheit haben, hat sich getäuscht. Nicht nur der Saal des Gasthauses Neuwirt war beim Infoabend am Donnerstag brechend voll, auf die Frage von BI-Obmann Armin Hofreiter, ob man das Angebot einer Baurestmassendeponie ohne Asbest ablehnen soll, hoben fast alle Anwesenden die Hände in die Höhe. Also die Charmeoffensive von Rohrdorfer (die TT berichtete) samt Postwurf war umsonst. Der Kampfeswille der Bevölkerung ist in keiner Weise gebrochen.

Dafür tut sich ein Spalt zwischen BI und Gemeindeführung auf. BM Josef Dillersberger stand im Visier der Kritik, zu schnell habe er nach Ansicht von Hofreiter dem Rohrdorfer Vorschlag zugestimmt und der „Baurestmassendeponie das Wort geredet“. Dillersberger zeigte sich verwundert, habe ihn doch die BI nach der letzten Verhandlungsrunde für seinen Einsatz gelobt. „Es ist darum gegangen, möglichst viel herauszuholen“, versuchte der Dorfchef zu erklären.

Wie groß die Angst im Dorf ist, zeigt ein neuer Vorschlag. So wollen die Deponiegegner eine Datenbank mit den Blutwerten der Schwoicher anlegen, um im Falle einer Genehmigung der Baurestmassendeponie zu einem späteren Zeitpunkt eine allfällige Auswirkung auf die Menschen beweisen zu können.

Eindeutiges Votum: Die Initiative soll weiter gegen die Deponie kämpfen.
Eindeutiges Votum: Die Initiative soll weiter gegen die Deponie kämpfen.
- Otter

Am Kampfeswillen fehlt es also in Schwoich nicht, aber am „Zaubertrank“. Diesen sah die geladene Politikerrunde bei einer Podiumsdiskussion in der Änderung der Gesetzeslage auf Bundesebene. Am Podium saßen Iris Kahn (Grüne), NR Carmen Schimanek (FPÖ), Daniel Veselinovic (SPÖ), LA Markus Sint (Liste Fritz) und GR Michael Riedhart (ÖVP). Die waren sich einig: Eigentlich müsste das Gesetz die Anrainer schützen, „damit es gar nicht notwendig ist, dass wir heute hier sitzen“, lautete der Tenor. Schimanek versprach noch, einen entsprechenden Antrag in der letzten Nationalratssitzung vor der Wahl einzubringen. „Das bringt alles nichts, in Wien sind wir viel zu träge und umständlich“, meinte Sint und forderte unter dem Applaus der Anwesenden, dass das Land mittels Raumordnung eingreifen solle. Nun wurde auch an diesem Abend eines klar: In Schwoich wissen die Bürger nicht, ob sie nicht auch das Land gegen sich haben. Denn es fehlt im Unterland noch eine derartige Baurestmassendeponie. „Es war alles im Hintergrund schon ausgemacht“, befürchtet Hofreiter. Jetzt wartet man auf die nächsten Schritte der Rohrdorfer.