Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 31.08.2019


Innsbruck-Land

Tiroler Behörden haben ihre liebe Not mit dem Problem-Recycler

Wipptaler Unternehmer lässt es stets darauf ankommen. Behördliche Auflagen werden bekämpft, Sanierungsaufträge teilweise ignoriert.

Nach wie vor lagert laut Behörde auf den Standorten des Recyclingunternehmens u. a. zu viel Bauschutt.

© iStockNach wie vor lagert laut Behörde auf den Standorten des Recyclingunternehmens u. a. zu viel Bauschutt.



Innsbruck, Wipptal – Der Fall eines Wipptaler Recyclingunternehmens beweist, dass die Politik in Tirol Handlungsbedarf hat. Schließlich sind die Ablagerungen von Baurestmassen, Erdaushub oder Recyclingmaterialien stets ein Grenzgang. Auflagen werden oft ignoriert, danach bemühen sich die Behörden vielfach vergeblich, dass wieder umweltverträgliche Zustände hergestellt werden. Wie in der Vorwoche berichtet, bereitet ein bekannter Wipptaler Recycler den Umweltreferaten von Land Tirol und Bezirkshauptmannschaft Innsbruck schon seit Jahren Probleme. Doch nur zögerlich werden an nicht weniger als fünf Standorten die teils aus den Fugen geratenen Verhältnisse saniert.

Vor allem in Innsbruck hat der Deponiebetreiber massiv Staub aufgewirbelt und auf einer von ihm bis September 2018 angemieteten Pachtfläche die Anlage nicht bescheidmäßig errichtet sowie zu viele Abfälle dort gelagert. Zwischenzeitlich hat ihm die Behörde für diesen Standort die Sammler- bzw. Behandlerbewilligung entzogen. Außerdem muss er bis spätestens 30. November die gelagerten Abfälle entfernen oder einer ordnungsgemäßen Entsorgung zuführen.

Am Handlhof in Vill bei Innsbruck sieht es nicht besser aus: Auf Grundlage eines durchgeführten Lokalaugenscheins durch den abfalltechnischen Amtssachverständigen Ende Juli sowie einer Mitteilung des Landeskriminalamts wurde der Recycler zur Beseitigung festgestellter Mängel aufgefordert: Die Lagerung von aussortierten Abfällen muss künftig in einem geschlossenen Container erfolgen, die Schrankenanlage für die Betriebsanlage und die Reifenwaschanlage müssen wieder funktionieren. Massive technische Mängel gab es zudem bei dem im Einsatz stehenden Bagger, die nachweislich durch den Bagger verursachten Ölverunreinigungen sind deshalb zu beseitigen.

Eine weitere Problemzone befindet sich auf seinem Firmensitz in Stafflach/Steinach. Dort wurde ebenfalls zu viel Abfall hingebracht, es gab sogar Befürchtungen, dass die Sill durch Abwässer aus der Abfallbehandlungsanlage verschmutzt werden könnte. Doch das war nicht der Fall. Gegenüber dem letzten Kontrollbericht hat sich die Situation nicht wesentlich verändert, obwohl konsenswidrig lagernde Baustellenabfälle teilweise entfernt wurden.

In Matreiwald streitet sich der Wipptaler mit den Behörden über die seinerzeit bewilligte Kubatur. Für die Bezirkshauptmannschaft Innsbruck hat er dort ebenfalls zu viel Material abgelagert. Um eine Genehmigung dafür zu erhalten, hat der Deponiebetreiber jetzt Projektunterlagen zur geplanten Änderung der Deponie eingereicht.

In Mieders drängt die Bezirkshauptmannschaft schon seit Längerem auf eine Rekultivierung, die aber nach wie vor nicht abgeschlossen ist. Bereits mit Bescheid vom Dezember 2017 wurde sie aufgetragen, bei Überprüfungen im Jahr 2018 stellten die Sachverständigen jedoch konsenslose (Ab-)Lagerungen fest, deren Entfernung seit Mai 2019 gefordert wird. Im Wesentlichen ist noch nichts geschehen, aktuell befasst sich die Bezirkshauptmannschaft Innsbruck mit der Einleitung eines Vollstreckungsverfahrens.

Dass die Kritik am Deponie-Boom in Tirol immer lauter wird, ist deshalb auch auf das Misstrauen in Recycler und Schotterunternehmer zurückzuführen. Denn stets gibt es Probleme, zugleich werden Bescheide bis zu den Höchstgerichten bekämpft, ohne dass sich die Situation merklich verbessert. (pn)