Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 31.08.2019


Bezirk Imst

Wenner Gemeindegründe vor Verkauf an Immo-Firma

Im Ortsteil Brennwald sollen auf vier Gemeindegründen drei Doppelhäuser errichtet werden. Eine öffentliche Präsentation folgt.

Die Grundstücke der ersten Bauphase in Brennwald sind bereits erschlossen

© DornDie Grundstücke der ersten Bauphase in Brennwald sind bereits erschlossen



Von Agnes Dorn

Wenns – Die Gründung der Immobiliengesellschaft „alpe.immo“ ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber schon jetzt interessiert sie sich für den Kauf von Gemeindegründen in Wenns. Zu diesem Zweck hat Geschäftsführer Alexander Unterwaditzer dem Wenner Gemeinderat einen Besuch abgestattet und sein Projekt vorgestellt. Auf vier Bauplätzen in Brennwald will die alpe.immo drei Doppelhäuser errichten.

„Das Geld ist da. Wir finanzieren das nicht über eine Bank“, so Unterwaditzer. Die GmbH hätte außer zwei operativen Gesellschaftern, zu denen er zähle, einen ausländischen Investor, der das Geld in ein derartiges Projekt stecken wolle. „Wir haben mit der Gemeinde eine Übereinkunft, dass bis Ende nächsten Jahres ausschließlich an Gemeindebürger verkauft wird. Das war dem Bürgermeister auch das höchste Anliegen“, weist Unterwaditzer Mutmaßungen über anderweitige Interessen der Gesellschaft zurück.

Die wohnbaugeförderten, klimaaktiven Gebäude wären dann für 380.000 Euro schlüsselfertig zu erwerben. Hätte jemand schon während der Bauphase Interesse am Kauf, könnte er – ebenso wie die Gemeinde selbst – auch bei der Planung mitbestimmen. „Wenn kein Wenner kauft, dann zumindest einer aus der Region. Da werden wir eng mit der Gemeinde zusammenarbeiten. Wir wollen nichts um jeden Preis verschachern“, beteuert der Projektwerber.

Die Häuser sollen je zwei Wohneinheiten mit 100 Quadratmeter Wohnfläche beinhalten.
Die Häuser sollen je zwei Wohneinheiten mit 100 Quadratmeter Wohnfläche beinhalten.
- Dorn

Raumplaner Klaus Spielmann, der das Projekt in einer Stellungnahme positiv beurteilt, empfiehlt der Gemeinde indes, privatrechtlich sicherzustellen, dass ihr ein Zustimmungs- bzw. Vorschlagsrecht für die künftigen Nutzer zusteht. Und dass ausschließlich Hauptwohnsitze errichtet werden dürfen.

Interesse an einem der vier Grundstücke gibt es bereits von einem der Anrainer: Alexander Gundolf hatte zunächst mündlich, dann am Tag der Sitzung schriftlich um den Kauf eines Grundstücks angefragt. Dem geplanten Projekt steht er äußerst ablehnend gegenüber: „Wer kann sich das leisten, so ein Projekt herzustellen und ein Jahr dann keine Einnahmen zu haben? Das Projekt ist so ausgerichtet, dass das niemand kaufen will.“ Sein Ansuchen auf Ankauf wird auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung stehen, wie Bürgermeister Walter Schöpf versichert. Doch schon jetzt stellt er fest: „Die Richtlinien müssen erfüllt werden. Aufgrund des Tagesordnungspunktes sind die Nachbarn aktiv geworden. Aber Bedarf ist da keiner.“

Gundolf räumt ein: „Sollte ich das Grundstück bekommen, würde ich nächstes Jahr nicht bauen, das muss ich ehrlich sagen.“ Ihm gehe es in erster Linie darum, das Projekt „rauszuzögern beziehungsweise zu stoppen“.

Nach massiver Kritik von Seiten mehrerer Gemeinderäte wurde der Beschluss gefasst, das Projekt noch heuer in einer öffentlichen Präsentation vorzustellen und dabei zugleich den Bedarf in der Gemeinde zu erheben.