Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 03.09.2019


Innsbruck-Land

Kindergarten-Neubau in Fulpmes bereitet Kopfweh

Aufgrund unerwarteter Mehrkosten bei der Hangsicherung muss der Gemeinderat heute über einen Stopp des Neubauprojekts entscheiden.

So soll der neue Kindergarten hinter der Neuen Mittelschule aussehen, der Baustart hätte bereits erfolgen sollen.

© MetaformSo soll der neue Kindergarten hinter der Neuen Mittelschule aussehen, der Baustart hätte bereits erfolgen sollen.



Von Denise Daum

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Fulpmes – Die Marktgemeinde Fulpmes wächst. Das zeigt die Zahl der Kinder in Kindergarten, Schule und Nachmittagsbetreuung, die kontinuierlich steigt. Der bestehende Kindergarten platzt aus allen Nähten, über 120 Anmeldungen gibt es für das heurige Jahr. Nach längerer Sondierungsphase hat sich der Gemeinderat vergangenes Jahr entschieden, ein Neubauprojekt hinter der Neuen Mittelschule zu realisieren. Planungen, Architektenwettbewerb und Vorarbeiten sind durchgeführt, geologische Gutachten erstellt worden. Die Projektkosten liegen bei 6,4 Millionen Euro. Der Baustart hätte bereits vergangenen Monat erfolgen sollen. Hätte. Stattdessen muss der Gemeinderat heute Abend über einen Stopp des Projekts befinden. Gemeindevorstand Gottfried Kapferer (Unabhängige Dorfliste) stellt den Antrag, eine Machbarkeitsstudie sowie Kostenschätzung zu Sanierung und Ausbau des bestehenden Kindergarten­standorts zu beauftragen.

Hintergrund dieser Wendung: Bei den Vorarbeiten stellte sich heraus, dass der Untergrund lehmiger ist als angenommen, damit wird die Hangsicherung deutlich aufwändiger und teurer. Kapferer spricht davon, dass der Gemeinderat vom geologischen Gutachter „in die Irre geführt wurde“. Er befürchtet, dass die 6,4 Millionen Euro für den Neubau nicht halten. Unter den geänderten Vorzeichen spricht er sich für die Sanierung und Erweiterung des bestehenden Kindergartens aus. „Ich warne eindringlich davor, den neuen Kindergarten in den instabilen und gefährlichen Lehmhang zu bauen. Außerdem ist das Projekt viel zu teuer. Hier muss sofort die Reißleine gezogen werden.“

Die Hangsanierung am geplanten Standort für den Kindergartenneubau ist teurer als ursprünglich kalkuliert.
Die Hangsanierung am geplanten Standort für den Kindergartenneubau ist teurer als ursprünglich kalkuliert.
- TT

Bildungsausschussobmann Fabian Muigg (Gemeinsam für Fulpmes), wesentlich an der Entstehung des Projekts beteiligt, bedauert diese Entwicklung. Der Geotechniker habe kurz vor Baustart seine vorgeschlagene Variante zur Hangsicherung zurückgezogen. „Das Vertrauen in ihn war natürlich erschüttert. Ein neues Team hat sodann die Maßnahmen zur Hangsicherung entwickelt. Wir haben erfahren, dass es deutlich teurer wird. Natürlich ist das ein herber Rückschlag“, erklärt Muigg. Derzeit arbeite man aber mit den Architekten intensiv daran, Kosten einzusparen. „Wie es aussieht, gelingt es uns, die Mehrkosten für die Hangsicherung auszugleichen, damit wir bei den 6,4 Millionen bleiben.“ Muigg sei zwar für Alternativen offen, will aber sehr wohl am Projekt festhalten. „Wir haben uns bewusst für den Neubau entschieden. Es ist ein zukunftsweisendes Projekt, der Standort ist prädestiniert. Bei einer Sanierung sind die Möglichkeiten begrenzt.“ Ganz abgesehen davon habe man schon Geld für den Neubau ausgegeben und Aufträge unterschrieben. Ein Stopp würde laut Muigg rund eine Million Euro kosten.

Bürgermeister Robert Denifl (Bürgermeisterliste) möchte ebenfalls am Projekt festhalten. „Ich war ursprünglich für eine Sanierung, aber ich habe mich von den Jungen überzeugen lassen, das Neubauprojekt ist wirklich wunderschön.“ Die Marktgemeinde sei damit für die Zukunft bestens aufgestellt.

Skeptisch zeigt sich indes Vizebürgermeister Johann Deutschmann (Gemeinsam für Fulpmes). „Ich bin echt sauer. Das mit dem Hang hätte man wissen müssen.“ Er möchte jedenfalls, dass nochmal Alternativen geprüft werden, „bevor wir so viel Geld ausgeben“.