Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 03.09.2019


Brennerbasistunnel

BBT: Tunnelgesellschaft droht jetzt sogar die Sprengung

Die Situation beim Brennerbasistunnel spitzt sich zu: Die ÖBB sollen offenbar ausgebremst werden. Der strittige italienische Vorstand hat gewichtige Fürsprecher.

Die Hackln in der BBT SE fliegen tief: In den nächsten Wochen könnte sogar die Gesellschaft bewusst gesprengt werden.

© Rudy De Moor / TTDie Hackln in der BBT SE fliegen tief: In den nächsten Wochen könnte sogar die Gesellschaft bewusst gesprengt werden.



Von Peter Nindler

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Innsbruck – Hinter den Kulissen kracht es gewaltig: Der Konflikt im Zweier-Vorstand der Brennerbasistunnelgesellschaft BBT SE eskaliert, wobei die Auseinandersetzung wie auf einer schiefen Ebene abläuft. Denn der umstrittene italienische Vorstand Raffaele Zurlo hat in der Vorwoche öffentlich heftige Kritik an den ÖBB und seinem österreichischen Kollegen Konrad Bergmeister geübt. Einmal mehr empörte sich Zurlo über die Kostensteigerungen beim Baulos Tulfes-Pfons. Gerade bei jenem Abschnitt, der 2013 noch unter italienischem Vergaberecht ausgeschrieben wurde.

Das Bauvolumen in der Ausschreibung betrug damals 460 Mio. Euro, der Zuschlag wurde um 80 Millionen Euro weniger erteilt. Eigentlich zu niedrig. Eine Risikovorsorge von 70 Millionen Euro und noch einmal 30 Millionen Euro Inflationsabgeltungen kamen hinzu sowie eine von Experten aufgrund der geologischen Gegebenheiten empfohlene Tunnelverlängerung von 3,5 Kilometern. Der Aufsichtsrat hat schlussendlich die Kosten von rund 615 Mio. Euro bereits am 9. Jänner 2018 genehmigt, ein 500 Seiten umfassender Prüfbericht der ÖBB mit Beteiligung von Vertretern der italienischen Staatsbahnen (RFI) sah keine Missstände.

Nach der Ausschreibung von Tulfes-Pfons begannen jedoch die Probleme im Vorstand, weil danach die Baulose in Tirol nach österreichischem Recht ausgeschrieben wurden. Zurlo schoss deshalb beharrlich quer, offenbar mit Rückendeckung der italienischen Bahn. Wie auch jetzt. Er dürfte mächtige Fürsprecher haben, u. a. den italienischen Aufsichtsratsvorsitzenden in der BBT SE, Lamberto Cardia. Auch die Rolle von RFI-Generaldirektor Maurizio Gentile ist mehr als unklar.

Obwohl als grenzüberschreitendes Projekt angelegt, wollen sich die italienischen Staatsbahnen wohl nicht damit abfinden, dass der Betrieb des Basistunnels ab 2028 in Österreich durchgeführt wird. Es gibt Vermutungen, Italien strebe eine Trennung des europäischen Vorhabens an. Zurlos Vorgehen habe deshalb etwas mit Strategie zu tun. Gleichzeitig wird der Unmut über die ÖBB immer größer, weil sie Bergmeister fallen lassen wollen. Vor der Aufsichtsratssitzung am 17. September spitzt sich die Situation zu.

Wie die ÖBB gestern gegenüber der TT erklärten, würden aktuell intensive Vorbereitungen für die gemeinsame Aufsichtsratssitzung stattfinden. „Die österreichische Seite ist dafür maximal gesprächsbereit, weil es uns darum geht, bei diesem zentralen Projekt für eine gelungene Verlagerung des Transitver­kehrs durch Tirol die Wogen zu glätten und gemeinsam das erklärte Ziel, die Bahninfrastruktur von morgen, im Auge zu haben.“ Die ÖBB gehen jedoch davon aus, „dass die aktuelle Auseinandersetzung der beiden Vorstände, insbesondere das Verhalten des italienischen Kollegen, auch unseren Informationen nach in Rom bereits mit Unbehagen verfolgt wird“. Die Aufforderung an die italienischen Vertreter im Aufsichtsrat ist deshalb klar: „Es wird insbesondere auch am aktuellen italienischen Vorsitzenden des Aufsichtsrates liegen, den Streit zu schlichten. Aus Sicht der ÖBB ist es zentral, dass der Blick rasch wieder nach vorne gerichtet wird.“

Lamberto Cardia kommt also eine zentrale Rolle zu. Dass Zurlo nach seinen ständigen Attacken noch nicht abberufen wurde, nährt, wie es heißt, Spekulationen, dass die BBT SE möglicherweise bewusst gespalten werden soll.