Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 05.09.2019


Bezirk Reutte

Bernhard Eggel: “Wer Geld bekommt, braucht keine Ehrung des Landes“

Altabgeordneter und Langzeitbürgermeister Bernhard Eggel lehnte die Verleihung des Verdienstkreuzes am Hohen Frauentag ab.

Bernhard Eggel genießt das Leben als Pensionist. Jeden Tag eine andere Alm – und das Allgäu hat viele.

© EggelBernhard Eggel genießt das Leben als Pensionist. Jeden Tag eine andere Alm – und das Allgäu hat viele.



Von Helmut Mittermayr

Jungholz, Innsbruck – Ein Mann fehlte, als die beiden Landeshauptleute Günther Platter und Arno Kompatscher (Südtirol) am Hohen Frauentag im Riesensaal der Innsbrucker Hofburg insgesamt 188 Verdienstkreuze und Verdienstmedaillen an honorige Personen vergaben. Auch Bernhard Eggel sollte das Verdienstkreuz des Landes Tirol überreicht bekommen. Er war immerhin 24 Jahre lang Bürgermeister des kleinen Örtchens Jungholz und zudem von 1994 bis 1999 fast fünf Jahre Landtagsabgeordneter der ÖVP. Eggel verzichtete, obwohl sogar Familienmitglieder ihn bedrängt hatten, doch einfach hinzufahren, auch wenn es ihm nicht so wichtig sei. Er könne die Plakette ja in den hintersten Schrank legen, wenn sie ihm so wenig bedeute. Für den hemdsärmeligen Jungholzer war das aber keine Option, denn er wollte die Auszeichnung aus prinzipiellen Überlegungen nicht annehmen. Seine Beweggründe teilte er kurz vor Maria Himmelfahrt LH Platter in einem Brief mit.

Eggel nimmt bei der TT-Anfrage gleich humorig Anleihe bei der Geschichte um den ehemaligen FPÖ-Mann Walter Meischberger, „Wo woar mei Leistung?“, um dann doch ernst zu antworten: „Ich habe für meine Arbeit als Bürgermeister ja immer Geld bekommen. Ich habe also für etwas, was ich immer gerne selber machen wollte, eine Entschädigung bekommen. Dafür eine Ehrung zu bekommen, finde ich vollkommen unangebracht. Inzwischen ist diese Entschädigung auch gar keine schlechte mehr, auch für kleine ‚Pippelesgemeinden‘.“ Er sei gewiss nicht prinzipiell gegen Ehrungen, auch wenn er in seiner 24-jährigen Bürgermeisterzeit damit mehr als zurückhaltend umgegangen sei. Dorfchronisten, Kapellmeister, Feuerwehrverantwortliche, sozial Tätige – all die Menschen, die ehrenamtlich für die Allgemeinheit tätig gewesen seien, hätten sich diese öffentliche Auszeichnung und Präsentation verdient. Aber er? „Ich habe gutes Geld dafür bekommen. Dann müsste das Land ja an die Mitarbeiter jeder Firma Verdienstkreuze verteilen, nur weil sie dort länger gearbeitet haben.“ Den Jungholzer stören auch noch andere Auszeichnungen – nämlich jene an höchste Beamte des Landes: „Die haben doch nur ihre – sicher verdienstvolle – Arbeit getan und wurden dafür bestens entlohnt.“ Und dann würden sie die gleiche Ehrung bekommen wie jemand, der ein Leben lang ehrenamtlich, ohne einen Cent zu bekommen, für das Allgemeinwohl tätig war. „Das passt nicht“, ist sich der Außerferner sicher.

Auszeichnungen steht Eggel prinzipiell kritisch gegenüber – etwa bei goldenen Hochzeiten. „Da schickt das Land den teuersten Beamten des Bezirks los, um Geldgaben zu überbringen. Als ob das eine Leistung wäre? Die Bezirkshauptleute besuchen aber nur österreichische Paare. Stammt die Frau aus Pfronten im Allgäu, dann gibt es nichts. Dann ist diese Ehe wohl nichts wert, das verstehe einer.“