Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 05.09.2019


Bezirk Reutte

Debatte um Widmung in Lechaschau: Gelüste auf Vergeltung

Einstimmig - der Lechaschauer Gemeinderat lehnt das Ansinnen des bekannten Autohändlers Hans Schweiger auf Umwidmung einer Grünlandparzelle am Kuhbichl geschlossen ab.

Gemeinderat Lechschau.

© Mittermayr HelmutGemeinderat Lechschau.



Von Helmut Mittermayr

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Lechaschau – Sie kamen im Sitzungssaal des Lechaschauer Gemeindeamtes nebeneinander zu sitzen. Der bekannte Autohändler Hans Schweiger, der ein Grundstück im Grünland in Bauland umgewidmet haben, und Michael Haß, der den Erstgenannten nicht zum neuen Nachbar bekommen wollte. Am Ende der Abstimmung zeichneten sich zwei Smileygesichter im Halbdunkel ab. Schweigers Mundwinkel waren nach unten gefallen, jene des Urologen Haß zeigten nach oben. Der Gemeinderat hatte die Umwidmungspläne einstimmig abgewiesen, da sich das Freilandgrundstück im Flächenwidmungsplan sogar außerhalb der Baulandgrenzen befinde. Nur wenn öffentliches Interesse vorläge, hätten sich die Mandatare zu einer Widmung durchringen können, war zu vernehmen. Die Errichtung eines Privathauses sei aber niemals in öffentlichem Interesse.

Der Reuttener Schweiger, ein gebürtiger Lechaschauer, hatte in seiner schriftlichen Stellungnahme ausgeführt, dass auf Grund seines großzügigen Mäzenatentums im Ort längst öffentliches Interesse gegeben sein müsste. Bürgermeister Hansjörg Fuchs wollte diese Wohltätigkeit auch keineswegs in Abrede stellen, aber man habe sich an Fakten und Gesetze zu halten. Laut Ortsplaner und Fachmeinung des Landes Tirol sei der Kuhbichl schützenswert, eine weitere bauliche Entwicklung nicht erwünscht. Das Land würde einen Umwidmungsversuch sofort zurückweisen, hieß es. Fuchs nannte als Gründe für „überwiegendes öffentliches Interesse“ etwa einen Schul- oder Feuerwehr-, aber keinen Privathausbau.

In der Diskussion brachten Gemeinderäte auch zur Sprache, dass eine Umwidmung des identen Grundstücks unter anderem Eigentümer schon einmal aus den gleichen Gründen abgelehnt worden sei. Zudem hätte man jungen Lechaschauern ähnliche Wünsche in nahen Feldern – auch außerhalb der Baulandgrenze zu bauen – immer abschlägig beschieden, ja nicht einmal eine Gemeinderatssitzung dafür bemüht. Es müsse gleiches Recht für alle im Ort gelten, war der Tenor.

Während Facharzt Michael Haß die Sitzung mit einem Lächeln verließ, war Schweiger außer sich vor Zorn: „Dann bau ich dort halt eine Landwirtschaft. Der wird sich noch wünschen, nur ein Einfamilienhaus hinter sich zu haben.“ Und Richtung BM Fuchs gewandt, den er „mit seiner einseitigen Stimmungsmache“ als Alleinverantwortlichen für das Abstimmungsverhalten ausmachte, erklärte er, dass er seine Sponsorentätigkeit ehestmöglich einstellen werde. „Der Sportverein bekommt derzeit 30.000 Euro von mir und dann nichts mehr. Das ist allein deine Schuld, Bürgermeister.“ Fuchs blieb ruhig und erklärte noch einmal, dass die Faktenlage eine Umwidmung nicht ermögliche.




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