Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.09.2019


Bezirk Reutte

Ehrwald verlangt Geld für Fotos von Naturschönheiten

Die Zugspitzgemeinde hat einen Entgeltkatalog zu Lizenzen für Film- und Fotorechte aufgelegt. Mehrwert für Region entscheidet, ob es gratis bleibt.

Der TVB Zugspitz Arena hat „Glück“. Er darf weiter Postkartenmotive des Seebensees anfertigen lassen, ohne gleich Servicepauschale und Nutzungsentgelt von über 1000 Euro pro Tag zahlen zu müssen.

© TZArena/U. WiesmeierDer TVB Zugspitz Arena hat „Glück“. Er darf weiter Postkartenmotive des Seebensees anfertigen lassen, ohne gleich Servicepauschale und Nutzungsentgelt von über 1000 Euro pro Tag zahlen zu müssen.



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Von Helmut Mittermayr

Ehrwald – Den Seebensee in all seiner Schönheit mit einer Kamera festhalten – das kann teuer werden. Die Gemeinde Ehrwald hat beschlossen, von Professionisten künftig ein Entgelt für Aufnahmen und Filme zu verlangen, wenn es sich um Flächen im Gemeindeeigentum oder der Gemeindegutsagrargemeinschaften handelt. Dabei sieht der einstimmige Gemeinderatsbeschluss nur vordergründig wie eine reine Geldbeschaffungsmaßnahme aus. Die Intention des Ehrwalder Bürgermeisters Martin Hohenegg war eine ganz andere. „Wir wurden ,niedergesprungen‘. In den vergangenen fünf Jahren waren jeden Sommer zwischen 40 und 70 Film- oder Kamerateams unterwegs. Die Belastung war groß: Schlüsselausgabe für die Schranken, KFZ-Nummernverwaltung und vieles mehr.“ Zudem hätten Einheimische immer wieder nachgefragt, was die vielen Autos dort oben überhaupt verloren hätten. Die Gemeindeführung konnte sowohl für Ehrwald als auch die Region keinen Mehrwert erkennen, wenn etwa SportScheck aus München oder ein großer internationaler Handyhersteller am Seebensee Aufnahmen für ihre Unternehmen produzieren ließen.

Nun heißt es zahlen, aber Ausnahmen gibt es viele. „Das Amt entscheidet darüber“, klärt Hohenegg auf. Er nennt als Beispiel eine amerikanische Veteranengruppe. Sie würde gerade einen Film über die außergewöhnlichen Kriegsereignisse im Gebiet samt Flugzeugabschüssen drehen und die Doku dann auch der Gemeinde Ehrwald zur Verfügung stellen. Diese Leute müssten nichts bezahlen.

„Uns geht es darum, den Hotspot Seebensee da oben in den Griff und Autos rauszubekommen“, sagt Hohenegg. Früher sei dafür der TVB Zugspitz Arena zuständig gewesen. Jetzt wolle die Gemeinde in ihrem Agrargebiet selbst entscheiden, wer Fahrgenehmigungen und Schrankenschlüssel erhält. Man habe dieses Steuerungsmittel und die Einnahmequelle übrigens nicht erfunden, sondern halte sich an die Bundesforste, die diese Entgelte inklusive Vertrag schon länger verlangen würden.

In der Gemeindezeitung wurden die Ehrwalderinnen und Ehrwalder nun informiert, dass sie sich keine Sorgen machen müssten, wenn sie privat ein Foto der Sonnenspitze machen wollten. „Die Einführung der Tarife für Film und Fotografie soll keineswegs bewirken, dass einheimische Privatpersonen und einheimische Gewerbetreibende zur Kasse gebeten oder Werbeaktivitäten über das Gebiet verhindert werden“, heißt es dort. Auch Ausnahmen für Vereine und Tourismus seien selbstverständlich und die Flächen im Ortsgebiet selbst von der Regelung ausgenommen.

Wer jedoch nicht in den von Ehrwald festgelegten Ausnahmekanon fällt, auf den kommen nicht unerhebliche Zahlungen zu. Zum Beispiel kostet die Tageslizenz für einen Spielfilm alles eingerechnet 1626 Euro, ein Tag Werbefotografie schlägt mit 1146 Euro zu Buche. Für große Unternehmen sind das „Peanuts“, kleinen tut es weh.