Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.09.2019


Tirol

Neben Ferienwohnungen sind auch Zweitwohnsitze im Visier

Das Land Tirol plant ein Doppelverbot in den Tiroler Hotspots wie Innsbruck, Kitzbühel oder Seefeld. Jetzt wird über Zweitwohnsitze verhandelt.

In der Region um Kitzbühel würde künftig auch ein Zweitwohnsitzverbot gelten.

© Harald AngererIn der Region um Kitzbühel würde künftig auch ein Zweitwohnsitzverbot gelten.



Von Peter Nindler

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Innsbruck – Würde die jetzt von der Tiroler Landesregierung angedachte Zweitwohnsitzbeschränkung in hochpreisigen Regionen mit einem Anteil von mehr als 20 Prozent Freizeitwohnsitzen bereits gelten, müsste sie jedenfalls in Kirchberg angewendet werden. Käufer von Immobilien hätten demnach zu erklären, dass sie in der Gemeinde im Bezirk Kitzbühel keinen Zweitwohnsitz errichten bzw. die Wohnung nicht für diesen Zweck vermieten.

Gerade in Kirchberg mit 20,8 Prozent Freizeitimmobilien wurde im Vorjahr eine Luxuswohnanlage gebaut. Die Käuferschicht ist illuster. Neben dem österreichischen Fußballstar David Alaba, der mehrere Wohnadressen hat, weisen die weiteren Eigentümer Wohnsitze in der Türkei (Marmaris), in Oberösterreich oder Deutschland auf. Eine Vermögensverwaltungsgesellschaft und ein Immobilienunternehmen, beide aus Deutschland, haben ebenfalls Wohnungen erworben.

Zusätzlich zum seit 1995 bestehenden Freizeitwohnsitzverbot gäbe es also noch eine darüber hinausgehende Schranke, um die Flut an nur temporär genutzten Wohnungen in den Tiroler Hotspots einzudämmen. Die Bürgermeister sind schon jetzt angehalten, die gesetzlichen Vorschriften zu kontrollieren. Wie sieht es nun beispielsweise bei David Alaba aus? Wie wird seine im Vorjahr gekaufte Wohnung genutzt? Auf Anfrage der TT betont Bürgermeister Helmut Berger (SPÖ), dass die Immobilie in der Anlage im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten verwendet werde. Alaba hat das Penthouse für mehr als 3,5 Millionen Euro erworben.

Im Land ist man sich bewusst, dass bei einem regionalen Zweitwohnsitzverbot auf die Bürgermeister erneut einiges zukommen würde. Wie bei den Freizeitwohnsitzen wären sie für die Kontrollen zuständig. Auch die jeweilige Bezirkshauptmannschaft wäre bei den Immobilienankäufen in Kenntnis zu setzen.

Zuletzt hatte Landeshauptmann Günther Platter eine Gesetzesinitiative für den Herbst angekündigt. Offenbar geht alles in Richtung Zweitwohnsitz-Beschränkung mit berufsbedingten Ausnahmen. Mit dem Koalitionspartner, den Grünen, muss das Modell aber erst verhandelt werden, sie drängen insgesamt auf schärfere Regelungen. Bisher stand das viel kritisierte Interessentenmodell mit einem Vorkaufsrecht für Personen, die eine Wohnung ganzjährig benützen wollen, gemeinnützige Bauträger und Gemeinden zur Diskussion.

In Salzburg gibt es ein ähnliches Beispiel, letztlich müssten wohl das Grundverkehrs- und das Raumordnungsgesetz für diese Variante verschränkt werden. Die widmungskonforme Verwendung ist Angelegenheit der Raumordnung, die Einschränkung beim Kauf eine des Grundverkehrs.