Letztes Update am Mi, 18.09.2019 06:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


BBT

Neustart im europäischen Geist: Keine Grenze mehr im Basistunnel

Das neue Vorstandsduo für den Brennerbasistunnel ist bestellt. Konrad Bergmeister geht an die Uni.

Die BBT SE bekommt neue Vorstände.

© BöhmDie BBT SE bekommt neue Vorstände.



Innsbruck – Der Vorstandswechsel in der Brennerbasistunnelgesellschaft BBT SE ist vollzogen. Nach internen Blockaden seines italienischen Vorstandskollegen Raffaele Zurlo hat sich Konrad Bergmeister nach zwölf Jahren zurückgezogen. Martin Gradnitzer (ÖBB Infrastruktur) und Gilberto Cardola bilden das neue Vorstandsduo. Gradnitzer vorerst nur interimistisch, „die Ausschreibung für die Vorstandsfunktion erfolgt jedoch zeitnah, bis zum Jahreswechsel wird die Bestellung dann erfolgen“, sagt Franz Bauer, Chef der ÖBB-Infrastruktur und Aufsichtsrat in der BBT SE gegenüber der TT.

Gradnitzer und Cardola bezeichnet Bauer als ausgewiesene Fachleute, „keinesfalls ist ihnen das Projekt eine Nummer zu groß“. Dass Bergmeister wegen der ständigen Querschüsse Zurlos ein Bauernopfer sei, weist er zurück. „Bereits im Frühjahr hat uns Bergmeister über seinen geplanten Rückzug informiert, ich bin froh, dass er noch bis September geblieben ist.“

Die neuen Vorstände Gilberto Cardola (l.) und Martin Gradnitzer bauen ab heute den Basistunnel.
Die neuen Vorstände Gilberto Cardola (l.) und Martin Gradnitzer bauen ab heute den Basistunnel.
- ÖBB

Offen, so Bauer, seien in der Aufsichtsratssitzung die Probleme der Vergangenheit angesprochen worden. „Deshalb ist es das Ziel von Aufsichtsrat und neuem Vorstand, das Projekt in einem europäischen Geist voranzutreiben und Vertrauen zurückzugewinnen. Schließlich ist es ein europäisches Vorzeigeprojekt und der Außenauftritt besonders wichtig.“ Für die Ausstattung der Betriebstechnik im 56 Kilometer langen Tunnel erwartet sich Bauer ebenfalls Zuschüsse der EU. Schlussendlich, „und da bin ich mir mit meinem Kollegen Maurizio Gentile, dem Generaldirektor der Italienischen Staatsbahnen, einig, darf die Grenze zwischen Italien und Österreich im Tunnel nicht spürbar sein“.

Bergmeister zieht sich, wie er sagt, mit „Demut zurück. Ich bin dankbar, dass ich das Projekt so weit vorantreiben konnte – mit all den engagierten Mitarbeitern.“ Für ihn ist es ein Schlussstrich, er widmet sich ab 1. Oktober wieder ganz seiner Lehrtätigkeit als Professor an der Universität für Bodenkultur, um seine Erfahrungen in Lehre, Forschung und Entwicklung an die Studenten weiterzugeben. Bergmeister wird sich aus Respekt gegenüber dem neuen Vorstand ganz „vom Brenner“ zurückziehen. „Ich habe 25 Jahre lang für den Brennerkorridor gearbeitet, der Basistunnel ist ein zentraler Teil davon.“ Natürlich sei er noch emotional und gedanklich im Projekt verankert, aber ein Lebensabschnitt gehe jetzt eben zu Ende.

Lob gab es für Bergmeister von LH Günther Platter und Verkehrsreferentin LHStv. Ingrid Felipe. „Er war seit Anbeginn Motor hinter dem Projekt, hat exzellente Arbeit geleistet und enorm viel dazu beigetragen, dass der Basistunnel heute da ist, wo er ist.“ (pn)