Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 17.09.2019


Bezirk Kitzbühel

Nach sieben Jahren kann mit Bau von Wohnanlage begonnen werden

Weil Nachbarn es verhindern wollten, musste ein Wohnprojekt in Reith erst durch alle Instanzen, bevor es umgesetzt werden kann.

Die neue Wohnanlage wird im Reither Ortsteil Bichlach errichtet.

© NHT/Architekturbüro P3Die neue Wohnanlage wird im Reither Ortsteil Bichlach errichtet.



Von Harald Angerer

Reith b. K. – Es war ein langer Weg, den die Gemeinde Reith und die Neue Heimat Tirol (NHT) für eine Wohnanlage gehen mussten. Nach über sieben Jahren können nun aber die Bauarbeiten im Ortsteil starten. „Man könnte den Glauben an den Rechtsstaat verlieren“, sagte NHT-Geschäftsführer Hannes Gschwentner gestern bei einer Pressekonferenz. Nachbarn hatten mit allen Mitteln versucht, das Projekt zu verhindern. „Wir mussten durch alle Instanzen gehen und wir haben alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Jetzt gibt es keine ordentlichen Rechtsmittel mehr und wir können endlich starten“, freut sich Gschwentner.

Nachdenklich und erfreut zugleich gibt sich Bürgermeister Stefan Jöchl. „Wir sind ein Rechtsstaat und jeder Bürger soll das Recht haben, Einsprüche zu erheben. Wenn sie gerechtfertigt sind, dann sagt keiner etwas. Aber wenn es nur um Verhindern und Verzögern geht, fehlt mir das Verständnis“, sagt Jöchl. Gleich mehrere Anrainer hätten sich gegen das Vorhaben gestemmt. „Wir hatten es mit dem Who’s who der Wiener Rechtsanwaltsszene zu tun“, schildert Gschwentner. Er schätzt die Rechtsanwaltskosten für das Projekt auf über 100.000 Euro. „Das hätte aber kosten können, was wolle. Ich wollte das durchbringen. Es kann nicht sein, dass ein paar renitente Nachbarn leistbares Wohnen verhindern“, betont der NHT-Geschäftsführer. Dass es sich bei den Nachbarn um Inhaber von Freizeitwohnsitzen handelt, wurde nicht direkt bestätigt, doch Jöchl gab einen Wink mit dem Zaunpfahl: „Wir haben als Gemeinde die Grundlagen zu schaffen für die Bevölkerung, die 365 Tage im Jahr da ist.“

Insgesamt investiert die NHT 6,7 Millionen Euro und errichtet 38 Wohnungen inklusive einer Tiefgarage. 20 der Einheiten sind Mietwohnungen, die restlichen 18 sind Eigentumswohnungen, die im Miet-Kauf erworben werden können. Die Wohnungsvergabe erfolgt ausschließlich über die Gemeinde Reith. „Die Vergabe geht nun schon zum dritten Mal in die heiße Phase. Es gibt in etwa doppelt so viele Bewerber wie Einheiten“, so Jöchl. Die Bauarbeiten sollen in etwa eineinhalb Jahre dauern.