Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 24.09.2019


Bezirk Kitzbühel

Am Dienstag endet Einspruchsfrist bei geplantem Forstweg in St. Johann

Der Widerstand gegen ein Projekt der Bundesforste in St. Johann wird größer: Aus kulturhistorischer Sicht sei der Einschnitt abzulehnen.

Der zum 300-Jahr-Jubiläum der Einsiedelei errichtete Kreuzweg wird häufig von Pilgern begangen.

© StreleDer zum 300-Jahr-Jubiläum der Einsiedelei errichtete Kreuzweg wird häufig von Pilgern begangen.



Von Michael Mader

St. Johann i. T. – In einem Brief an Bürgermeister Hubert Almberger, die Gemeinderäte, den Amtsleiter und die Mitarbeiter im Gemeindeamt legt Gemeinderätin Maria Strele (Grüne) die Gründe dar, die gegen eine von den Österreichischen Bundesforsten (ÖBF) geplante Forststraße am Niederkaiser sprechen.

Wie berichtet, soll in St. Johann vom Burgwiesbauern bis zur 1696 erstmals urkundlich erwähnten Einsiedelei eine Lkw-taugliche Forststraße von vier Metern Breite und 445 Metern Länge entstehen. Hauptargument der ÖBF ist, dass der Schneebruch den Schutzwald auf einer Fläche von rund 15 Hektar stark in Mitleidenschaft gezogen hat und eine Bewirtschaftung nur durch eine Erschließung möglich ist.

„Ich möchte nur auf die zwei zentralen Argumente der ÖBF eingehen, die scheinbar so zwingend sind, Angst erzeugen und falsch sind“, schreibt Strele. Der Naturschutzbeauftragte der Umweltanwaltschaft, Anton Feiersinger, habe ihr gesagt, dass eine Lawinengefahr am Niederkaiser nicht relevant sei. Ein geschlossener Wald, mit alten, jungen und Totholz-Bäumen in Mischung, könne Lawinen zurückhalten.

Beim Thema Borkenkäfer erhält Strele Unterstützung von Botaniker Martin Mallaun: „Was ich in all diesen Natur-Wäldern niemals gesehen habe, ist ein Zusammenbruch des Waldes, weil Schadholz nicht entfernt wird. Im Gegenteil: In manchen dieser Wälder (sie sind alle sehr unterschiedlich) gibt es gewaltige Mengen an stehendem und liegendem Totholz aller Stärkeklassen. Das ist u. a. ja gerade der Reichtum dieser Wälder.“

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In einer Stellungnahme des Museums- und Kulturvereins St. Johann heißt es unter anderem, dass es sich um uralten Kulturboden handelt und die Einsiedelei ein Ort der Einkehr und spirituellen Erfahrung sowie Kraftplatz für zahlreiche Menschen sei. „Der besondere Reiz dieses Ortes liegt darin, dass er nur über einen schmalen Fußweg erreichbar ist und somit den Charakter als Einsiedelei bis heute bewahren konnte. Zum 300-Jahr-Jubiläum der Einsiedelei wurde ein Kreuzweg mit geschnitzten Stationen errichtet. Dieser Kreuzweg wird seither häufig von Pilgern im Gebet begangen. In diesem sensiblen Bereich würde der Bau eines Forstweges einen tiefen Einschnitt in das einzigartige denkmalgeschützte Ensemble darstellen. Daher ist ein Forstweg aus kulturhistorischer Sicht abzulehnen“, schreibt Schriftführer Peter Fischer.

Strele jedenfalls appelliert an die Verantwortlichen der Marktgemeinde St. Johann, noch Beschwerde gegen den Bescheid einzulegen, damit Zeit für Information und Alternativen gewonnen werden könne.