Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 24.09.2019


Innsbruck

Winternotschlafstelle in Innsbruck: Standort Domanigweg ist vom Tisch

Die Winternotschlafstelle bleibt nach Protesten vorerst in der Amraser Straße. Das dort geplante Wohnbauprojekt verzögert sich damit erneut.

Die Notschlafstelle in der Amraser Straße 26–28 bleibt einen weiteren Winter lang in Betrieb.

© Domanig MichaelDie Notschlafstelle in der Amraser Straße 26–28 bleibt einen weiteren Winter lang in Betrieb.



Von Denise Daum

Innsbruck – Eine unerwartete Wende gab es gestern Montag rund um die vom Roten Kreuz betreute Winternotschlafstelle in Innsbruck. Die sollte ja, wie berichtet, mit Beginn der Wintersaison am 15. November von der Amraser Straße in die ehemaligen Räume der Lebenshilfe am Domanigweg 3 übersiedeln. Unmittelbar nach Bekanntwerden des neuen Standorts regte sich Widerstand: Im selben Gebäudekomplex befindet sich ein Schülerhort, in unmittelbarer Nähe ein Kindergarten und eine Volksschule. Bei den vergangene Woche abgehaltenen Elternabenden wurden Bedenken ob der geplanten Notschlafstelle gemeldet. Nachdem die verantwortlichen Stadtpolitiker damit gerechnet hatten, wurden bereits mit dem Bekanntmachen des Standorts für diese Woche Informationsveranstaltungen angekündigt, um Anrainer und Eltern zu beruhigen.

Das ist nun aber hinfällig: Die Notschlafstelle in der Amraser Straße/Ecke Hunoldstraße bleibt nun doch einen weiteren Winter lang geöffnet. Das entschieden gestern Nachmittag der für Soziales zuständige Vizebürgermeister Franz Gruber und Bürgermeister Georg Willi. Das Gebäude im Besitz der Innsbrucker Immobiliengesellschaft hätte eigentlich (nach mehreren Verzögerungen) nun im Herbst abgerissen werden sollen. Dort plant die IIG ein großes Wohnbauprojekt. Nachdem es bei diesem Projekt aber kurzfristig ohnehin Verzögerungen gibt, die laut Stadt mit der Baukostensituation und mit dem Hochwasserschutz zusammenhängen, entschieden sich Willi und Gruber dazu, die Notschlafstelle einen weiteren Winter in Betrieb zu lassen und den Abbruch zu verschieben. „Wir können es verantworten, dass die IIG beim Neubau einige Monate verliert, wenn im Gegenzug die bisherige Notschlafstelle einen Winter länger bleiben kann. In der Zwischenzeit können wir in Ruhe an der Überarbeitung der Notschlafstellen in Innsbruck weiterarbeiten“, sagt BM Willi.

Vize-BM Gruber erklärt, dass der Standort am Domanigweg nicht optimal gewesen sei. „Das war mir auch von Anfang an klar. Aber bis vor wenigen Stunden bin ich davon ausgegangen, dass wir heuer wegen der Abbrucharbeiten übersiedeln müssen. Trotz der Prüfung von 19 Standorten haben wir keine bessere Lösung gefunden“, sagt Gruber. Der Domanigweg sei lediglich als Übergangslösung vorgesehen gewesen.

Gruber hofft, bis zum Winter 2020 eine nachhaltige Lösung parat zu haben.