Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 25.09.2019


Bezirk Schwaz

Unmut in Schwaz über Kulturlager im Keller

Der Dachboden einer Schwazer Schule soll ausgebaut werden. Dort lagern derzeit jede Menge Kulturgüter der Stadtgemeinde. Die Frage, wohin diese umgesiedelt werden sollen, löste eine breite Diskussion aus.

Die Schwazer Kulturlager sind bis obenhin gefüllt. Eines der Lager soll nun übersiedeln. Wohin – darüber wird noch diskutiert.

© Stadtgemeinde SchwazDie Schwazer Kulturlager sind bis obenhin gefüllt. Eines der Lager soll nun übersiedeln. Wohin – darüber wird noch diskutiert.



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Von irritiert über belustigt bis hin zu besorgt reichten die Gesichtsausdrücke der Mandatare und der Zuhörer bei der jüngsten Gemeinderatssitzung im Schwazer Rathaus. Auf der Tagesordnung ging es unter Punkt 6 um Umbaumaßnahmen in der Johannes-Messner-Schule. Darunter fällt auch der Ausbau des Dachgeschoßes. Und genau diese Räumlichkeiten führten zu einer Diskussion, die plötzlich in ganz andere Themen ausuferte. Aber eines ließ den Gemeinderäten keine Ruhe: Wohin soll das dortige Kunstlager übersiedelt werden?

Würde man alle Kunstgüter der Stadt Schwaz zusammentragen, könnte man laut Kulturamtsleiter Reinhard Prinz locker eine halbe Turnhalle füllen. Die wertvollsten Stücke seien im Lager des Rabalderhauses untergebracht. „Weitere Stücke, also vorrangig Malereien, Krippen und andere Gegenstände, sind im Rathaus“, erklärt Prinz. Die ganz großen und vor allem auch sperrigen Güter stapeln sich derzeit aber im Dachgeschoß der Schule. Laut Prinz reiche das Repertoire von Wappen, Festschriften, einem Webstuhl oder Schnitzbock bis hin zu Symboliken oder Gussplastiken. Das meiste nehme viel Platz ein und werde „nur gelegentlich“ gebraucht.

Wie BM Hans Lintner (VP) in der Sitzung erklärte, soll das große Lager vom Dachboden der Schule raus, da dort mehr Platz für die Schulräume gebraucht werde. Die Kulturgüter werden dann auf den Keller im Rathaus und den Bauhof aufgeteilt.

Diese Verteilung sorgte aber für Verwirrung und Unverständnis im Gemeinderat. „Das Kulturlager wurde ja schon öfter übersiedelt. Gibt es da jetzt eine Perspektive für ein fixes Lager?“, wollte GR Hermann Weratschnig (Grüne) wissen. Vor allem sei der Rathauskeller für ihn kein geeigneter Platz, um Bilder und andere Kunstgegenstände aufzubewahren. „Wären nicht im Franziskaner-Kloster Lagerräume angedacht gewesen, um das Kulturlager endlich zusammenzuführen?“, fragte auch Grünen-StR Viktoria Gruber. Sie sieht es kritisch, das Lager erneut zu teilen, und sorgt sich wegen der Luftfeuchtigkeit sowie eventuellem Grundwasser im Rathauskeller. „Und wohin kommen dann die Gegenstände des Vereins Kulissenschieber?“, fragte GR Daniel Kirchmair (FP). Zudem sei nicht nur unklar, wohin die Sachen des Vereins kommen, sondern auch, wann ausgeräumt werden müsse.

Laut BM Lintner werde der Rathauskeller entsprechend adaptiert, sodass dort „eine bessere Qualität für die Lagerung der Kulturgegenstände herrscht, als wir sie bisher hatten“. Die Kulissenschieber würden laut ihm wieder einen passenden Platz erhalten. Im Franziskaner-Kloster sei aber kein Platz mehr. „Da sind schon mehrere Lagerflächen von uns benutzt“, sagte der Stadtchef. Danach ging er nahtlos zum Umbau der Schule um 4 Mio. Euro über. Der Antrag wurde einstimmig angenommen.

Doch in Sachen Kulturlager brodelt es noch. Kulturreferentin Iris Mailer-Schrey kann sich die Unterbringung im Keller noch nicht vorstellen. Sie habe nächste Woche einen Besichtigungstermin. „Das muss man sich anschauen, aber ein Erdkeller geht meines Erachtens nicht als Lager für solche Gegenstände“, sagt sie auf TT-Anfrage. Mailer-Schrey werde die Übersiedelung genau prüfen. „Ich bin eine Bewahrerin und werde das mit Argusaugen beobachten.“ Für Prinz ist die Verteilung auf Rathaus und Bauhof noch nicht fix. „Das ist noch nicht ausgereift.“

Fix ist hingegen die Eröffnung der Ausstellung am 26. Oktober im Rathaus mit dem passenden Titel „Verstaubtes aus dem Kulturlager“.




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