Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 25.09.2019


Osttirol

Notarztversorgung im Iseltal: Rettung soll Notfälle koordinieren

Am 15. Oktober beendet der Flugrettungsunternehmer Roy Knaus sein Sommergastspiel im Iseltal. Mit dem Hubschrauber fliegt faktisch auch das „Boden-Luft-Kombisystem“ des Matreier Bürgermeisters ab.

Das Rote Kreuz soll die Notärzte im Iseltal nicht nur fahren, sondern auch gleich für die Koordination der Mediziner zuständig sein.

© Christoph BlassnigDas Rote Kreuz soll die Notärzte im Iseltal nicht nur fahren, sondern auch gleich für die Koordination der Mediziner zuständig sein.



Von Christoph Blassnig

Matrei i. O. – Die Notarztversorgung im Iseltal kommt aus dem Patientenstatus nicht heraus. Nach dem Rückzug der niedergelassenen Mediziner rund um den Notarztverband Osttirol installierte der Matreier Bürgermeister Andreas Köll mit dem Flugunternehmer Roy Knaus ein „Boden-Luft-Kombisystem“ für die Notfalleinsätze von Kals bis Prägraten. Mit einem Monat Verspätung hob vom 1. Juli an der Hubschrauber Martin 4 ab, wenn es die Wetterbedingungen untertags zuließen. In der Nacht von 19 bis 7 Uhr steht seither ein Rettungsfahrzeug samt Notfallsanitäter zum Abruf bereit, das den diensthabenden Flugrettungsarzt zu Einsätzen fährt – die Tiroler Tageszeitung berichtete.

Das Flugunternehmen Heli Austria von Knaus beendet die lukrative Sommersaison allerdings am 15. Oktober. Eine Übereinkunft am „Hubschraubergipfel“ des Landes mit allen sieben in Tirol tätigen Flugrettungsunternehmen besagt, dass die heurige zugleich die letzte Sommersaison für den Martin-4-Hubschrauber in Matrei war. Damit fliegt faktisch auch das „Boden-Luft-Kombisystem“ aus dem Iseltal ab und wird so wohl nicht wiederkommen.

Auf Anfrage der TT an den zuständigen Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg offenbart dieser nun die Pläne des Landes, wie es nach dem 15. Oktober im Iseltal weitergehen soll. Denn nicht nur der Obmann des Notarztverbandes Osttirol, Gernot Walder, hat auf großen Druck hin im Frühjahr den Rückzug erklärt, sämtliche niedergelassenen Notärzte haben ihre Verträge mit dem Land Tirol in der Zwischenzeit gekündigt.

„Die aktuelle Notarztsituation im Osttiroler Iseltal machte es aus Sicht des Landes Tirol unerlässlich, ein stabiles und nachhaltiges System zu installieren und den Kreis an Notärzten, die bodengebunden Dienst versehen, zu erweitern“, heißt es in der Anfragebeantwortung aus dem Büro des Landesrates. Es sei angedacht, die federführende Organisation der Notfallrettung im Iseltal der Rettungsdienst Tirol GmbH in Kooperation mit dem Osttiroler Roten Kreuz zu übertragen. Dies solle unter Einbindung der niedergelassenen Notärzte und jener Mediziner, die aufgrund ihrer Tätigkeit für die Flugrettung in der Region sind, erfolgen. „Somit steht ein ausreichender Pool an Notärzten zur Verfügung, um einen durchgehenden bodengebundenen Dienstbetrieb rund um die Uhr zu gewährleisten.“

Die Notärzte werden künftig also ausschließlich von einem Notarzteinsatzfahrzeug (NEF), das ein geschulter Fahrer lenkt, zu ihren Einsätzen gebracht. Als Dienststelle für die bodengebundene Notfallrettung im Iseltal (diensthabender Arzt, der Fahrer und das NEF) wird die Rotkreuz­ortsstelle Matrei fungieren, wenn sich die Pläne des Gesundheitslandesrates umsetzen lassen. Sicher ist das alles noch nicht, denn „die geplante Vorgangsweise befindet sich derzeit in Abstimmung“. Viel Zeit ist dafür nicht mehr.