Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.09.2019


Bezirk Schwaz

Aufregung in Jenbach: „Aufträge durch Gemeinderäte sind ein Tabu“

Aufregung im Jenbacher Gemeinderat: Freiheitlicher wirft fraktionsloser Mandatarin „eigenmächtige“ Auftragsvergaben vor.



Von Walter Zwicknagl

Jenbach – Anfangs wurde im Jenbacher Gemeinderat über Hochwasserschutz, die künftige Begegnungszone in der unteren Achenseestraße, die Park-&-Ride-Anlage am Bahnhof und den Ankauf eines Tanklöschfahrzeuges geredet. Dann wurde es mucksmäuschenstill, als Gemeinderat Christoph Zung (FP) loslegte: „Jenbach hat einen moralischen Sumpf. Und den sollten wir heute gemeinsam trockenlegen“, war am Beginn seiner Ausführungen zu hören.

„Seit Monaten, wenn nicht schon jahrelang, werden durch ein bestimmtes Gemeinderatsmitglied ohne Befugnis, also eigenmächtig, Aufträge an nahestehende Firmen vergeben. Noch dazu werden die dafür zuständigen Gremien wie Gemeinderat und Gemeindevorstand erst gar nicht gefragt, sondern stillschweigend übergangen“, stellte Zung fest. Aussagen, wie der Bürgermeister sei schuld, er würde es nicht bearbeiten oder liegen lassen bzw. nicht weiterleiten, lasse er nicht gelten. Kryptisch sprach er dabei ein Gemeinderatsmitglied als „Obfrau des Jenbacher VP-Wirtschaftsbundes“ an. Und diese ist eben die fraktionslose Mandatarin Barbara Wildauer. „Diese Vorgangsweise ist höchst verwerflich und unmoralisch, kein Mandatar hat laut Gemeindeordnung Aufträge zu vergeben“, fügt er hinzu. „Es kann nicht sein, dass wir hier mehrere Male pro Jahr im Nachhinein als zuständiges Gremium diese Kompetenzüberschreitungen genehmigen müssen, damit rechtschaffene Firmen nicht auf ihren offenen Forderungen sitzen bleiben“, sagte er neben der Aufforderung, mit sofortiger Wirkung das Mandat niederzulegen. Betretenes Stillschweigen gab es dann im Gemeinderat.

„Ich habe mich nicht angesprochen gefühlt“, sagt Barbara Wildauer auf TT-Nachfrage. Ihr Rücktritt sei von Zung schon Anfang Juli gefordert worden. Aber das stehe nicht im Protokoll. Ihr gehe es um Sachpolitik und sie habe einen anderen Zugang zur Kommunalpolitik. Richtungsweisend sei für sie die Tiroler Gemeindeordnung. Sie sei schon acht Jahre im Gemeinderat, Zung erst seit kurzer Zeit. „Und übrigens hat er meinen Namen nicht ausgesprochen“, betont Wildauer.

„Die Aussagen von Christoph Zung sind für mich nachvollziehbar“, erklärt Bürgermeister Dietmar Wallner.

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