Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.09.2019


Fridays for Future

Dieses Zeichen hörte jeder: 20.000 kamen in Tirol zu Klima-Demo

Innsbruck erlebte am gestrigen Freitag eine der größten Demonstrationen seiner Geschichte: 20.000 Menschen gingen für den Klimaschutz auf die Straße.

Die Jugendlichen brachten mit Transparenten ihre Forderungen an die Politik zum Ausdruck.

© Thomas Boehm / TTDie Jugendlichen brachten mit Transparenten ihre Forderungen an die Politik zum Ausdruck.



Von Manuel Lutz

Innsbruck – Wie beim Slalom versuchen sich die Politiker durchzuschlängeln. Die Skateboarder suchen indes vergeblich nach einem freien Fleck. Denn an diesem Tag gehört der Innsbrucker Landhausplatz den Klima-Aktivisten. Der Großteil von ihnen trägt einen Schulrucksack. Trotz der Menschenmasse gibt es keine Drängelei.

„Es ist das größte Massensterben seit dem Zeitalter der Dinosaurier. Die Politik kommt nicht aus dem Schneider“, schreit ein Bursche durch sein Megaphon. Die zahlreichen Teilnehmer jubeln ihm zu und halten ihre Transparente in die Luft. An Kreativität fehlt es dabei nicht: „Kurzstreckenflüge nur für Bienen“ oder „Öffis nicer machen statt Erde heißer machen“, fordern die Demonstranten auf ihren selbstgemachten Schildern.

Erstmals mischte sich auch Bischof Hermann Glettler unter die Klima-Aktivistem und war Teil des Demo-Zugs.
Erstmals mischte sich auch Bischof Hermann Glettler unter die Klima-Aktivistem und war Teil des Demo-Zugs.
- Glettler

Ein halbes Jahr nach dem ersten großen Klimastreik in Innsbruck ist die Motivation größer denn je. Am gestrigen Freitag fanden sich laut Polizei rund 20.000 Menschen ein. Damit waren dies mehr als dreimal so viele Personen wie noch im März. Zudem war es nach Angaben der Exekutive die größte Demonstration aller Zeiten in Tirol.

Es hat sich jedoch nicht nur der Andrang geändert, die Wirkung ist sogar generationenübergreifend. „Der Freitagsstreik hat nicht nur junge, sondern auch ältere Personen motiviert. Ich finde allein schon interessant, dass nun über eine Stadtseilbahn diskutiert wird“, ist Greta Kolb darüber erfreut. Als Schülerin konnte die mittlerweile 19-Jährige zuvor nur zweimal mitstreiken – als angehende Studentin möchte sie in ihrer neuen Heimat Wien regelmäßiger für das Klima auf die Straße gehen.

Aufgrund einer Ausnahme durften gestern zahlreiche Schüler offiziell dem Unterricht fern­blei­ben, um bei dem Erdstreik dabei zu sein. So waren auch Katharina Mair und Jakob Thaler Teil des schier nicht enden wollenden Demonstrationszugs durch die Innenstadt. Die beiden 16-Jährigen sind sich einig, seit die Protestbewegung „Fridays For Future“ wöchentlich zum Streik aufruft, sehen sie eine Veränderung.

Auch selbstgemachte Kostüme sorgten für Aufsehen.
Auch selbstgemachte Kostüme sorgten für Aufsehen.
- Thomas Boehm / TT

„Das Thema Klimaschutz hat mehr Präsenz im Unterricht. Seit der ersten großen Demo ist die Aufmerksamkeit generell viel größer. Unsere Familie plant nun den Urlaub fast nur noch mit dem Zug“, erklärt die Pfaffenhofnerin. Den Inzinger freut vor allem, dass auch seine Eltern aktiv mitmachen. Die beiden Autos bleiben in der Garage, auf Fleisch wird verzichtet und Plastik so gut wie möglich vermieden.

Aber nicht nur die Jugend folgt der Bewegung und will ein Zeichen setzen. Nur ein paar Reihen vor den beiden Schülern hat sich auch Bischof Hermann Glettler unter die Demonstranten begeben. „Ich bin zum ersten Mal beim Freitagsstreik dabei. Ich danke den vielen jungen Menschen, die uns aufwecken und zu einer ernsthaften Veränderung unseres Lebensstils drängen. Wir wussten es und wissen es heute noch deutlicher, dass die Schöpfung ein wunderschönes, aber zerbrechliches Geschenk Gottes ist“, so der Bischof. Er selbst versuche, auf nicht notwendige Flüge zu verzichten. Zudem äußert er gegenüber der TT ein Versprechen: „Ich gründe die ,Bischöfe For Future‘. Das passt zudem gut, da ich genau heute vor zwei Jahren zum Bischof ernannt wurde.“

Auch der FC Wacker war Teil des Umzugs. Sowohl Präsident Gerhard Stocker als auch General Manager Alfred Hörtnagl waren Teil der stark vertretenen Wacker-Familie. „Als Profiverein bekommen wir sehr viel mediale Aufmerksamkeit und sind dadurch eine der größten Kommunikationsplattformen in diesem Land. Diese Möglichkeiten wollen wir nun nutzen, um ein sichtbares und lautstarkes Zeichen für den Klimaschutz abzugeben“, so Stocker.

Jedoch nicht alle sind von der Bewegung begeistert. „Es spaltet sich in zwei Lager, das ist schade. Viele Menschen glauben leider, dass ihnen etwas weggenommen wird. Aber das stimmt nicht“, kennt Molekularmedizin-Student Peter Zoufal auch Kritiker.

Nach eineinhalb Stunden ist der Marsch beendet. Am Landhausplatz finden sich nach und nach die Demonstranten ein. Zu den finalen Reden gibt es noch Brote mit selbstgemachten Aufstrichen – geliefert natürlich mit dem Fahrrad.

Treffpunkt für die Demonstration war der Innsbrucker Landhausplatz.
Treffpunkt für die Demonstration war der Innsbrucker Landhausplatz.
- Thomas Boehm / TT