Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 02.10.2019


Bezirk Kitzbühel

Keine Einsprüche gegen umstrittene Forststraße im St. Johanner Talkessel

Bescheid für die 450 Meter lange Stichstraße in St. Johann ist rechtskräftig. Das Gebiet könnte aber unter Schutz gestellt werden.

Die Niederkaiserklamm – ein Forstweg soll für die Bewirtschaftung des Schutzwaldes gebaut werden.

© MallaunDie Niederkaiserklamm – ein Forstweg soll für die Bewirtschaftung des Schutzwaldes gebaut werden.



Von Michael Mader

St. Johann i. T. – Vom letzten großen intakten Naturraum im intensiv erschlossenen St. Johanner Talkessel und der unwiederbringlichen Zerstörung dieses Ortes sowie einer Beeinträchtigung der Einsiedelei durch den Bau einer Forststraße sprechen die einen. Von einer notwendigen Maßnahme zur Bewirtschaftung des rund 15 Hektar großen Schutzwaldes mit erheblichem „Schneebruch“ die anderen.

Nachdem Gemeinderätin Maria Strele (Grüne) über die Umweltanwaltschaft Tirol vom bereits erlassenen Bescheid für den geplanten Weg der Österreichischen Bundesforste erfahren hatte, forderte die Bürgerinitiative „Freunde des Niederkaisers“, dass die Marktgemeinde St. Johann Einspruch gegen den Bescheid erheben solle. Vergangene Woche wurden 758 Unterschriften einer Online-Petition gegen den Wegbau an Bürgermeister Hubert Almberger übergeben. Mit gestrigem Datum waren es 806 Unterschriften. Laut Initiative haben zu zwei Dritteln St. Johanner unterschrieben, der Rest kommt aus den Umlandgemeinden.

Genützt hat der Protest gegen den Forstweg allerdings nur wenig: Der Bürgermeister hat für die Gemeinde keinen Einspruch beim Landesverwaltungsgericht gegen den Bescheid erhoben. „Ich habe mir alle Gutachten im Detail angesehen, alles wurde korrekt abgearbeitet. Das ist niet- und nagelfest“, erklärt Almberger. Er sei selber ein begeisterter „Niederkaiser-Geher“: „Ich habe mir den abgesteckten Weg angesehen. Er ist wirklich weit genug von der Einsiedelei weg.“

Auf Grund des nicht zu bestreitenden hohen öffentlichen Interesses der St. Johanner Bevölkerung wird die Gemeinde die Österreichischen Bundesforste auffordern, das Projekt in der Öffentlichkeit besser und detaillierter zu kommunizieren, heißt es seitens der Bürger­initiative.

Almberger berichtet von positiven Gesprächen mit den Grünen bzw. der Bürgerinitiative: „Ich habe angeregt, dass sie sich im Umweltausschuss einbringen und der Niederkaiser unter Naturschutz gestellt werden soll. Auch die Österreichischen Bundesforste hätten nichts dagegen.“

Dass keine Einsprüche gegen den Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Kitzbühel eingegangen sind, bestätigt Pia Buchner, Pressesprecherin der Österreichischen Bundesforste: „Weder seitens der Gemeinde noch von den Grünen. Der Bescheid ist nunmehr rechtskräftig.“ Aus heutiger Sicht soll der Baubeginn der Lkw-tauglichen Straße vom Burgwiesbauern bis zur Höhe Einsiedelei nicht vor November dieses Jahres erfolgen.