Letztes Update am Di, 08.10.2019 07:27

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Lärmstudie für das Wipptal in Planung, ÖBB zieren sich

Verkehrsbelastete Tiroler Hotspots sollen landesweit untersucht werden. Die ÖBB sehen Schutzauftrag im Wipptal bereits als erfüllt an.

Verkehr und damit auch Lärm sind im Wipptal allgegenwärtig.

© Michael KristenVerkehr und damit auch Lärm sind im Wipptal allgegenwärtig.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Für das Außerfern wurde erst im Mai vom Land eine umfassende Lärmstudie präsentiert. Diese beschränkte sich allerdings auf den Motorradlärm. Für die Landeshauptstadt Innsbruck existiert bereits eine Gesamtlärmbetrachtung. Nun soll das – nicht nur – transitbelastete Wipptal folgen. Die Verhandlungen und Planungen für das Wipptal als neue Modellregion einer derartigen umfassenden Lärmstudie sind bereits weit gediehen. Den politischen Grundstein hierfür soll ein von Schwarz-Grün im morgen startenden Landtag eingebrachter Abänderungsantrag zu einem parlamentarischen Vorstoß der NEOS legen. Dem Grunde nach sollen sich Land, Planungsverband, Asfinag und ÖBB über eine Finanzierung bereits geeinigt haben. Doch die ÖBB sollen nun auf die Bremse treten, heißt es. Selbige dementieren dies auf Anfrage. Noch diese Woche soll das Thema erneut besprochen werden.

Lärmstudie für Wipptal in Planung

Im Verkehrsausschuss ging der Abänderungsantrag von Schwarz-Grün einstimmig durch. Die Landesregierung solle „die laufende Erarbeitung einer tirolweiten Gesamtlärmbetrachtung vorantreiben“, wie es im Antragstext heißt. Das Ansinnen fußt dem Grunde nach auf einem NEOS-Antrag aus dem Jahr 2018. LA Andreas Leitgeb wollte damals am Beispiel Außerfern die Lärmkarte Straßenverkehr um das nachrangige Straßennetz und die Regionalflugplätze ergänzen lassen. Obwohl Leitgeb seinen Antrag nun „verwässert“ sieht, hat er zugestimmt: „Allein durch meinen Antrag ist ja schon viel passiert.“ Leitgeb verbucht die bereits erfolgte Lärm-Enquete sowie die Motorradlärmstudie Außerfern als Erfolg für sich.

„Aus fachlicher Sicht ist es notwendig, den Lärm gesamthaft zu betrachten“, bestätigt Christoph Lechner von der Abteilung Emissionen, Sicherheitstechnik, Anlagen im Amt der Landesregierung. Innsbruck habe bereits eine derartige Studie, jene im Außerfern für den Motorradlärm sei ebenfalls bereits sehr in die Tiefe gegangen. Der große Unterschied zu den bereits erstellten strategischen Lärmkarten sei jener, dass in einer Gesamtbetrachtung u. a. auch die subjektive Wahrnehmung der Betroffenen (durch Interviews) einfließe.

VP-Verkehrssprecher Florian Riedl sieht in dem Antrag einen „weiteren Schritt zur Entlastung der verkehrsgeplagten Bevölkerung.“ LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) bestätigt, dass das Wipptal als Modellregion für die Studie in Arbeit sei, weitere Hotspots (Bsp.: Vomp, Kufstein, Langkampfen) sollen folgen. Im Wipptal gilt es auch die Auswirkungen der geplanten Kapazitätssteigerung der RoLa auf 450.000 Lkw bis zum Jahr 2021 im Sinne der Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene zu bedenken.

Doch just beim Wipptal spießt es sich. Mitte September sollen sich Land, Gemeinden, Asfinag und ÖBB bereits über die Finanzierung der gut 140.000 Euro teuren Studie, die noch heuer eingeleitet werden soll, einig gewesen sein. Asfinag und ÖBB hätten je 25 Prozent, die zweite Hälfte Land und Planungsverband übernehmen sollen. Doch es heißt, die ÖBB hätten mit Verweis auf die noch ausstehende Koalitionsbildung auf Bundesebene einen Rückzieher gemacht. „Wir sind mit den Verhandlungen noch nicht ganz durch“, sagt Felipe.

Das will man so bei den ÖBB nicht stehen lassen, wie Pressesprecher Christoph Gasser-Mair auf TT-Anfrage sagt: „Es hat von unserer Seite weder eine Zu- noch eine Absage gegeben.“ Man müsse sich noch mit dem Ministerium abstimmen. Auch „weil so eine Entscheidung Folgewirkungen haben könnte“. Soll heißen: Eine Finanz-Zusage der ÖBB könnte auch in anderen Regionen Begehrlichkeiten wecken. Allgemein halten die ÖBB aber fest, dass aus ihrer Sicht „das Programm zur lärmtechnischen Sanierung der Bestandsstrecken im Wipptal abgeschlossen ist“.

Ob die ÖBB auf den Studienzug doch noch aufspringen, soll sich im Lenkungsausschuss zwischen Bund, Land und ÖBB zum Infrastrukturprogramm 2020 in wenigen Tagen entscheiden.