Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.10.2019


Innsbruck-Land

Kontroverse über Kosten für Bücherei und Bürgerservice in Telfs

Am Donnerstag hat der Telfer Gemeinderat die Planungsvergabe und budgetäre Verankerung für zwei kommunale Infrastruktureinrichtungen beschlossen.

Büchereileiterin Nadja Fenneberg (r.) und ihr Team übersiedeln an den Wallnöferplatz.

© MG Telfs/DietrichBüchereileiterin Nadja Fenneberg (r.) und ihr Team übersiedeln an den Wallnöferplatz.



Telfs – Der Telfer Gemeinderat hat am Donnerstagabend – nach teils kontroversen Diskussionen – die Planungsvergabe und budgetäre Verankerung für zwei wichtige kommunale Infrastruktureinrichtungen beschlossen.

Das betrifft zum einen die Bücherei und Spielothek Telfs, die kürzlich ihr 25-jähriges Bestehen feierte: Sie wird 2020 vom derzeitigen Standort im Noaflhaus an den Eduard-Wallnöfer-Platz übersiedeln. Die 450 m² großen Räumlichkeiten, in denen derzeit noch ein Supermarkt eingemietet ist, müssen dafür umfangreich adaptiert werden. Geplant sind u. a. ein eigener Kinderbereich, ein „Zockerraum“ für Jugendliche oder ein bestuhlbarer Multifunktionsraum für Lesungen und mehr.

„Das ist ein Signal, wie wichtig uns Lesen, Bildung und sinnvolle Freizeitgestaltung für junge Menschen sind“, betont BM Christian Härting (Wir für Telfs). Es gehe auch darum, eine Bildungs- und Kultureinrichtung mit 32 hochengagierten ehrenamtlichen Mitarbeitern entsprechend wertzuschätzen. Billig ist der Umbau allerdings nicht: Die geschätzten Nettobaukosten liegen bei ca. 720.000 Euro – darin ist allerdings schon ein „Sicherheitsfaktor“ von 10 % eingepreist.

Dennoch sorgten die Kosten für teils scharfe Kritik und drei Gegenstimmen: „Bildung und Jugendarbeit sind uns wichtig“, meint GV Michael Ebenbichler (FPÖ), „aber das ist einfach zu viel.“ Wenn man den Ankauf der Räume von der Raiffeisenbank um über 400.000 Euro hinzurechne, liege man bei weit über 1,1 Mio. Euro. Auch GR Herbert Klieber (Bürgerliste Telfs) lobt das Team um Büchereileiterin Nadja Fenneberg, aber eine solche Summe könne man „keinem Menschen mehr erklären“. Allein die Küche koste 16.000 Euro. „Bauen wir hier ein Hotel? Haben wir im Lotto gewonnen?“, fragt Klieber.

Für hitzige Debatten sorgte im Anschluss auch die geplante Einrichtung eines neuen Bürgerservice-Büros in der Obermarktstraße (ehemalige Triumph-Filiale). Dort sollen, wie berichtet, fast alle bürgerrelevanten Anliegen in Form eines „One-Stop-Shops“ gebündelt bearbeitet werden – von Passanträgen bis hin zu Wohnungs- und Sozial­agenden, die diskret in einem „Rückzugsraum“ behandelt werden. Die Adaptierungskosten von ca. 320.000 Euro brutto „für ein 120 m² großes Mietobjekt mit sieben Arbeitsplätzen“ seien aber unverhältnismäßig hoch, kritisiert GR Norbert Tanzer (PZT/SPÖ), der, ebenso wie GR Klieber, dagegen stimmte. GV Angelika Mader (ÖVP) enthielt sich der Stimme: Es sei nicht einzusehen, für eine „Notlösung“ so viel auszugeben, zumal sich im Ortszentrum künftig (im Zusammenhang mit Plänen der Raika) Möglichkeiten für einen besseren Standort ergeben könnten.

Am Ende fanden jedoch beide Punkte klare Mehrheiten. Ziel ist laut Härting, das Bürgerservice spätestens zu Ostern aufzusperren, die neue Bücherei im Sommer. (md)