Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.10.2019


Hundehaltung

Leine oder Maulkorb: Land Tirol lässt die Wahl

Die Spielregeln für Hundehalter in Tirol werden schärfer. Doch im Vergleich zum Begutachtungsentwurf hat das Land die generelle Leinenpflicht fallen lassen.

Treuherzig hin oder her: Wer mit Hunden an öffentlichen Orten innerhalb geschlossener Ortschaften unterwegs ist, braucht Leine oder Beißkorb.

© Rudy De MoorTreuherzig hin oder her: Wer mit Hunden an öffentlichen Orten innerhalb geschlossener Ortschaften unterwegs ist, braucht Leine oder Beißkorb.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Der schwarz-grünen Landesregierung liegt in ihrer heutigen Sitzung eine Novelle des Landes-Polizeigesetzes vor. Darin muss das Land u. a. – nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs – die rechtlichen Rahmenbedingungen für Bordellschließungen nachjustieren.

Weit emotionsbehafteter dürfte aber der zweite Teil dieser Gesetzesnovelle sein. Betrifft er doch alle derzeitigen und künftigen Hundehalter im Land. Rückblende: Im September 2018 fiel in Wien ein Rottweiler ein 17 Monate altes Kind auf offener Straße an. Das Kind starb. Die Hundehalterin war alkoholisiert gewesen, der angeleinte Hund hatte sich losgerissen. Wien verschärfte danach das Tierhaltegesetz. Für Listenhunde gilt im öffentlichen Raum mit wenigen Ausnahmen eine Maulkorb- und Leinenpflicht. Für Hundehalter ein Alkolimit von 0,5 Promille.

Auch in Tirol wurde über schärfere Hunderegeln debattiert. Der gesetzliche Ausfluss dieser Debatte liegt nun vor. Künftig müssen all jene, die erstmals einen Hund anmelden, unabhängig von der Rasse, einen Sachkundenachweis erbringen. Dabei, so Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (VP), werde es sich um einen kostenpflichtigen Schulungsabend, durchgeführt von einem „tierschutzqualifizierten Hundetrainer“, handeln. Die Wirtschaftskammer werde diese Kursabende landesweit anbieten. Hierzu bedarf es eines Vorlaufs. Während das Gesetz im November vom Landtag beschlossen und mit Mitte Jänner in Kraft treten wird, gilt für die neuen Hunderegeln der Stichtag 1. April 2020.

Entgegen dem Begutachtungsentwurf ist man von einer generellen Leinenpflicht an öffentlichen Orten innerhalb geschlossener Ortschaften (ausgenommen Freilaufzonen) aber wieder abgerückt. Die Interventionen seien massiv gewesen, heißt es. Nunmehr lässt man es den Hundehaltern frei, ob sie Leine oder Maulkorb verwenden. Zoller-Frischauf verweist auf gleichlautende Regelungen in anderen Bundesländern: „Auch wir lassen das frei.“ Eine Promillegrenze kommt nicht. Vorerst. In zwei Jahren soll das Gesetz evaluiert werden. Dann könnte sich die Landesrätin eine Promille-Grenze ebenso vorstellen wie verpflichtende Schulungen für alle Hundehalter.

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