Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 16.10.2019


Bezirk Reutte

Atib Reutte verneint Propaganda

Reuttener Islam-Verein lässt Hymne der Türkei auf Homepage laufen.



Reutte – Die aus dem Jahr 1923 stammende türkische Nationalhymne läuft derzeit als kleiner Dauerbanner auf der Homepage des Reuttener Vereins Atib, der in der Allgäuer Straße die größere der beiden Moscheen betreibt. Die Zeilen dienen in Kriegszeiten als Ansporn und moralische Stütze der Soldaten. An sie gerichtet heißt es, dass „sie keine Angst zu haben bräuchten, denn die Flagge werde immer wehen“. Von „Heldennation“ über „Blut vergießen“ und „Land verteidigen bis zum letzten Soldaten“ handeln die vor Nationalismus triefenden Sprüche. Der gesamte Internetauftritt ist in türkischer Sprache gehalten, einen „Deutsch-Button“ gibt es nun nicht mehr.

Vorhaltungen, dass dies einer weiteren Unterstützung eines militärischen Angriffs von Türken auf Kurden gleichkomme – im Jänner 2018 hatte der Verein zum Gebet für die Soldaten im Krieg gegen die Kurden aufgerufen und martialische Bilder veröffentlicht –, weist Ruhi Ekinci diesmal entschieden zurück. Der bis zu den Neuwahlen vom vergangenen Sonntag amtierende Obmann erklärt, dass die Hymne immer auf der Homepage laufe und nichts mit aktuellen Ereignissen zu tun habe. „Nach den Aufregungen des letzten Jahres überlegen wir uns jeden Schritt zehnmal. Wir haben keinen Einfluss, was da unten passiert und wollen hier nur in Ruhe als Moslems unseren Gebeten nachgehen.“ Atib Reutte habe immer wieder überlegt, was für eine bessere Integration notwendig wäre. „Aber von der anderen Seite kommt halt auch nichts“, erklärt er. (hm)

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.