Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 16.10.2019


Innsbruck-Land

Zirl räumt Klimaschutz „höchste Priorität“ ein

BM Thomas Öfner und Umweltausschuss-Obfrau Sigrid Thomaser freuen sich über die Allparteien-Initiative zum Klimaschutz.

© DomanigBM Thomas Öfner und Umweltausschuss-Obfrau Sigrid Thomaser freuen sich über die Allparteien-Initiative zum Klimaschutz.



Den umstrittenen Begriff „Klimanotstand" hat man vermieden. Sehr wohl hat der Zirler Gemeinderat aber — nach hitzigen Diskussionen — mit klarer Mehrheit einen gemeinsamen Antrag beschlossen, der dem brisanten Thema Klimaschutz „höchste Priorität" einräumt.

„Es ist keine Zeit mehr, Klimaschutz so locker wie früher zu nehmen", sagt Umweltausschuss-Obfrau Sigrid Thomaser (Zirl Aktiv). Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, müsste Österreich seine Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um mindestens 50 Prozent senken. Eine „riesige Challenge", meint Thomaser, auch die Gemeinde Zirl, wo schon diverse Klimaschutzinitiativen gesetzt wurden, sei voll gefordert.

Konkret verpflichtet sich die Marktgemeinde mit ihrem Beschluss dazu, künftig alle Entscheidungen auf Klimatauglichkeit bzw. Klimaauswirkungen zu prüfen. Dann gelte es, Argumente abzuwägen, so Thomaser. „Es wird auch Entscheidungen geben, wo man, etwa aus finanziellen Gründen, nicht die klimatechnisch beste Variante wählen kann. Aber es ist wichtig, das Ganze immer im Fokus zu haben und die Tagesordnung unter diesen Gesichtspunkten durchzuchecken." Überall dort, wo die Gemeinde selbst etwas baut, will man klimaschonend vorgehen — wie man es etwa bei der Erneuerung des Heizungssystems in der Volksschule schon getan habe. „Wir machen es uns damit da und dort sehr schwierig", ergänzt BM Thomas Öfner (Für Zirl). „Würde man es hundertprozentig konsequent leben, wäre es, auch finanziell, fast unlösbar. Aber auch kleine Schritte zählen."

So weit, dass die Gemeinde z. B. einem Bürger, der eine Gasheizung will, das Leitungsrecht verweigert, will man in Zirl nicht gehen. „Das bleibt die Entscheidung des Einzelnen", so Thomaser. „Wir wolen aber vorher ein Energieberatungsgespräch führen und Alternativen aufzeigen." Ohne Förderungen werde es ohnehin nicht gehen, meint Öfner, er plädiert für einen „pragmatischen Ansatz": Was Thomaser und ihn besonders freut: Mit den „Zirler Wiesen" erhalte Zirl das „erste fossilfreie Gewerbegebiet Tirols".

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Passend zum Klimaschutzantrag hat der Gemeinderat auch die Einrichtung einer Radkoordinationsstelle beschlossen, bestehend aus einem Gemeindemitarbeiter und einem engagierten Bürger. Für Bewusstseinsarbeit und kleine Infrastrukturprojekte (etwa Radabstellplätze) soll ab 2020 auch ein Budgetposten vorgesehen sein. (md)