Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 22.10.2019


Bezirk Kufstein

Gebühr für den Kinder-Mittagstisch lässt Kundler Opposition schäumen

Die VP beschimpft SPÖ-Bürgermeister als Dorfkaiser, Auslöser ist die heftig umstrittene Erhöhung des Essensgeldes in der Kinderbetreuung.

Die Erhöhung des Essensgeldes im Kindergarten und Schülerhort in Kundl sorgt in der Kommunalpolitik für Aufregung.

© Getty Images/iStockphotoDie Erhöhung des Essensgeldes im Kindergarten und Schülerhort in Kundl sorgt in der Kommunalpolitik für Aufregung.



Kundl – Es geht um eine unnötige Erhöhung und einen Euro pro Tag und Kind für die Gemeinde, ärgern sich die Kundler Volkspartei und die Kundler Frauen, es geht um einen fairen und sozial verträglichen Tarif, hält Bürgermeister Anton Hoflacher (SPÖ) entgegen. Hintergrund der Meinungsverschiedenheit ist die Anhebung der Gebühr für den Mittagstisch für Schüler und Kindergartenkinder von vier auf fünf Euro (inklusive 1,50 Euro Betreuungsgebühr). Die lässt jetzt in Kundl die politischen Funken sprühen und spaltet den Gemeinderat.

Immerhin müssen die Eltern für ein Kindergartenkind, das bis 14 Uhr die Einrichtung besucht, bis zu 100 Eur­o zusätzlich zu den 27 Euro Monatsgebühr bezahlen. Für die Ganztagesbetreuung bis 17.30 Uhr können es über 200 Euro (zehn Euro pro Betreuungstag) werden. Auch für den Schülerhort muss mehr bezahlt werden.

Vizebürgermeisterin Barbara Trapl (Kundler Frauen) kritisiert die Gemeindeführung dafür auf das Schärfste: „Der Beitrag der Eltern hat sich seit 2015 verdoppelt. Für viele Familien ist das auf das ganze Jahr gesehen viel Geld“, zeigt sie auf. Die Volkspartei wäre für ein Einfrieren der Gebühren gewesen, was die Industriegemeinde 20.000 Euro pro Jahr gekostet hätte.

Der Auslöser für diese neue Kalkulation sei, dass das Altenwohnheim als Essenslieferant in das neue Pflegesatzmodell des Landes fällt, verteidigt der Bürgermeister. Daher hätte man eigentlich über sieben Euro verlangen müssen. Aber man habe zu einer Mischkalkulation gegriffen, damit die 3,50 Euro herauskommen.

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Trapl kritisiert auch den Umstand, dass der Volkspartei noch ein Gespräch im Gemeindevorstand darüber versprochen worden sei. Aber bereits in der Gemeindezeitung im Juli hatte Hoflacher die neue Regelung verkündet und genauso sei es gekommen. Und was sich Trapl noch fragt: Eigentlich ist das zweite und dritte Kindergartenjahr gratis, „warum müssen dann Eltern Betreuungsgeld bezahlen?“

„Weil das Land nur die Kosten für den regulären Kindergartenbetrieb zurückbezahlt. Die Zusatzbetreuung muss die Gemeinde zahlen“, kontert der Bürgermeister.

Die Volkspartei sieht das aber in einem Flugblatt anders. Sie wirft Hoflacher sogar vor, wie ein „Dorfkaiser“ zu agieren. Das wiederum will der nicht auf sich sitzen lassen: „Es schaut für mich so aus, als ob die Kundler Volkspartei und Kundler Frauen mit der Aussendung einen Zwischenwahlkampf starten wollten – wahrscheinlich sollen die jüngsten ÖVP-Wahlerfolge auf Bundesebene als ,Rückenwind‘ genützt werden. Mit der Aussendung wird versucht, die gute Arbeit der Bürgermeisterliste mit der Bürgerlichen Kundler Liste (BKL) negativ darzustellen – das hat mit Inhalten nicht viel zu tun. Vielleicht ist unsere Halbzeitbilanz, die ich in meinem Vorwort in der Kundler Gemeindezeitung ausführlich dargestellt habe, zu viel ,positive News‘ für die ÖVP-Fraktion gewesen.“

Für weitere Debatten ist also gesorgt. (wo)




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