Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.10.2019


Bezirk Kitzbühel

Widerstand erfolglos: Wohnprojekt Schulgasse in Westendorf fixiert

Der Widerstand der Anrainer blieb erfolglos. Eine geplante Wohnanlage in Westendorf hat vom Gemeinderat nun grünes Licht bekommen.

Auf diesem Grundstück der Kirche möchte die WE Tirol in Westendorf eine Wohnanlage errichten.

© Harald AngererAuf diesem Grundstück der Kirche möchte die WE Tirol in Westendorf eine Wohnanlage errichten.



Von Harald Angerer

Westendorf – Wohnraum zu schaffen ist für Gemeinden eines der wichtigsten Themen. Dass das aber nicht immer ganz so einfach ist, zeigt sich derzeit in Westendorf. Neben dem Einheimischen-Wohnbauprojekt „Lindacker“ und der Bebauung des Schedererfeldes gibt es auch Pläne für eine Wohnanlage mittels Baurecht auf einem Kirchengrundstück in der Schulgasse. Insgesamt sind 21 Wohnungen geplant.14 Einheiten sind für den sozialen Wohnbau vorgesehen, sieben für Klienten der Lebenshilfe. Bereits im Sommer wurde die Erstauf­lage des Bebauungsplans von den Gemeinderäten beschlossen. Dem Vorhaben wurde im Juli mit 10:5 Stimmen zugestimmt, die TT berichtete.

Am Dienstagabend musste sich der Gemeinderat erneut mit dem Projekt befassen. Denn es galt die eingetroffenen Einsprüche zu behandeln und mit dem Zweitbeschluss dem Bebauungsplan die Rechtsgültigkeit zu verleihen. Das Interesse an der Sitzung war groß, es waren auch wieder einige Anrainer aus der Schulgasse gekommen, um bei der Entscheidung dabei zu sein.

Die Stimmung war dementsprechend aufgeheizt und bereits bei den ersten Erläuterungen der Raumplanerin Claudia Schönegger kamen Zwischenrufe. Insgesamt gab es drei Stellungnahmen mit mehreren Punkten von den Anrainern. Eine davon von den Betreibern des direkt neben dem Grundstück befindlichen Après-Ski-Lokals Gerry’s Inn. Josef Lenk ist einer der Eigentümer und auch Gemeinderat für die Wirtschaftsliste.

Die Kernpunkte der Stellungnahmen waren vor allem der Verkehr und die Größe der geplanten Gebäude. Für Lenk ist zum Beispiel das Verkehrsgutachten nicht nachvollziehbar. „Das ist ein Gutachten für die WE, ihm liegen nicht einmal Zählungen zugrunde“, kritisiert Lenk. Dies sei auch nicht notwendig, betonte Schönegger, es würde nach den Gegebenheiten berechnet. Zudem habe man auch vom Baubezirksamt eine Stellungnahme eingeholt, die ebenfalls positiv war.

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Klarheit will die Liste „Aufwind“, was die Zufahrt vor allem bei den Bauarbeiten betrifft. „Ist sichergestellt, dass beim Bau kein Fremdgrundstück zur Zufahrt genützt werden muss?“, will etwa Leonhard Schroll wissen. Laut Raumplanerin Schönegger ist dies möglich, laut einer Anrainerin allerdings nicht. Es müsste noch geprüft werden, ob die Grundstücksgrenzen in den der Gemeinde vorliegenden Plänen stimmen.

„Ich möchte festhalten, dass wir in Westendorf wirklich einen großen Bedarf haben“, warf Bürgermeisterin Annemarie Plieseis (WIR) ein, die Zeit würde also drängen. Auch kritisierte sie Lenk und wollte wissen, ob er nun als Gemeinderat oder als Anrainer das Wort ergreife. „Ich spreche natürlich auch für die Anrainer“, begründet Lenk. Sein Listenkollege Gerhard Steixner machte den Vorschlag, die Gebäude – sie sind mit Erdgeschoß und zwei Obergeschoßen geplant – um einen halben Meter niedriger zu bauen. „Dann wären wir den Anrainern entgegengekommen“, sagt Steixner. Der Vorschlag fand aber bei den anderen Listen keine Befürworter. Ein weiterer Einwurf war auch, ob es einen Raumordnungsvertrag für das Vorhaben brauche. „Sonst kann die Kirche mit dem Grundstück machen, was sie will, und wir müssen alle gleich behandeln“, sagt Lenk.

Dazu betont die Bürgermeisterin, dass die Vergabe der Wohnungen ausschließlich durch die Gemeinde erfolge und dass es bereits einen Vorvertrag zwischen WE und Diözese gebe. Trotzdem werde man noch versuchen, einen solchen Vertrag auszuhandeln. Das Projekt wurde letztlich mit 12 Ja-Stimmen beschlossen, drei Mandatare stimmten dagegen.