Letztes Update am Do, 24.10.2019 13:36

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Transit

Platter ortet “lächerliche“ Söder-Aussage: “Sollen eigene Hausaufgaben machen“

Nachdem die Landesregierung Transit-Fahrverbote für den Winter beschlossen hat, riet Bayerns Regierungschef Söder seinen Landsleuten, Tirol-Urlaub zu meiden. LH Platter kontert.

Als Maßnahme gegen die Stauproblematik und den Ausweichverkehr setzt die Tiroler Landesregierung Fahrverbote gegen den Ausweichverkehr ein.

© APAAls Maßnahme gegen die Stauproblematik und den Ausweichverkehr setzt die Tiroler Landesregierung Fahrverbote gegen den Ausweichverkehr ein.



Innsbruck — Für Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) ist die Aussage des bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), der als Reaktion auf die von Tirol angekündigten Winter-Fahrverbote vom Urlaub in Österreich abriet, "lächerlich". "Die Bayern lassen sich nicht von Politikern vorschreiben, wo sie Urlaub machen", sagte Platter bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Innsbruck.

Auch die deutschen Urlaubsgäste würden von den Fahrverboten profitieren, denn der Ziel- und Quellverkehr sei ja ausgenommen, führte der Landeshauptmann aus. Zudem seien die Verbote marginal, für die betroffenen Ortschaften aber dennoch äußerst wichtig.

Infos:

Informationen zu den Winter-Fahrverboten finden Sie auch online unter www.tirol.gv.at/fahrverbote

Platter: Bayern für größten Stau verantwortlich

Außerdem seien die Bayern selbst für den "größten Stau, den wir haben" verantwortlich, nämlich durch die Grenzkontrollen bei Kufstein, betonte Platter. "Die Grenzkontrollen sind nicht notwendig, damit sollten sie mal aufhören und ihre eigenen Hausaufgaben machen", mahnte Platter die Nachbarn. Tirol habe vorgezeigt, wie gut Hinterlandkontrollen funktionieren.

Die Landesregierung hatte in ihrer Sitzung am Mittwoch die bereits angekündigten Fahrverbote für den Stau-Ausweichverkehr für den Winter beschlossen. Betroffen davon sind — wie bereits im Sommer — die Bezirke Kufstein, Reutte und Innsbruck-Land, erstmals soll es aber auch im Bezirk Schwaz beim Achensee Richtung Jenbach ein Fahrverbot geben.

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Die Fahrverbote sollen von Samstag 21. Dezember bis einschließlich Ostermontag, den 13. April 2020, gelten. An Samstagen werden die betroffenen Straßen von sieben bis 19 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von acht bis 17 Uhr gesperrt. Neben den Fahrverboten werden bei Kufstein und im Wipptal, wie ebenfalls bereits im Sommer, Dosierampeln zum Einsatz kommen.

Im Sommer „gute Erfahrungen gemacht"

Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) bezeichnete die Fahrverbote erneut als Notmaßnahme, deren Ziel es sei, die Verkehrs- und Versorgungssicherheit auch an starken Reisetagen zu gewährleisten. „Wir haben im Sommer gute Erfahrungen mit den Fahrverboten gemacht. Es hat sich bewährt." Da im Winter jedoch andere Strecken betroffen seien, wurde eine Analyse durchgeführt und anhand dieser die neuralgischen Straßen eruiert.

Da es im Winter weniger Durchreiseverkehr und dafür mehr Urlauberanreiseverkehr gebe, werde im Raum Kufstein auch „viel mit Dosierampeln gearbeitet", erklärte Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne). „Dadurch kann der Verkehr so weit entflochten werden, dass auch die Einheimischen noch aus und ein können", fügte sie hinzu. Durch die Dosierampeln soll der Verkehr flüssiger gehalten werden.

Söder: Skiurlaub in Tirol macht wenig Sinn

Bayerns Ministerpräsident Söder hatte als Reaktion einen Ratschlag für seine Landsleute in Sachen Urlaubsplanung parat. "Offenkundig ist es so, dass in Tirol die Straßen so überfordert sind, dass der Skiurlaub dort wenig Sinn macht", erklärte Söder am Mittwoch im Landtag in München.

Er rate dazu, die Urlaubsplanung noch einmal zu überdenken, so der Ministerpräsident und warb gleichzeitig eindringlich für ein Wintervergnügen im heimatlichen Bayern: "Warum ungewollt in Österreich Geld lassen, wenn man in Bayern ein herzliches Dankeschön bekommt?". Die Verbote seien nicht überraschend, meinte der CSU-Chef, aber sie seien ein "Verhalten, das Freunde einfach nicht tun sollten".

Dosierampel eingerichtet

Im Bezirk Kufstein gelten die Fahrverbote auf der Unterinntalstraße (L211), der Buchbergerstraße (L295), auf der alten Erler Straße und der Gemeindestraße Endach. Zudem werden im Raum Kufstein sechs Dosierampeln zum Einsatz kommen. In Reutte werden die Reuttener Straße (L69), die Pinswanger Straße (L288) und der Zubringer Reutte Nord gesperrt. Im Bezirk Schwaz soll ein Umfahren der Achenseestraße (B181) vom Achensee Richtung Jenbach verhindert werden, weshalb die Ausweichstrecke, die Jenbacher Straße (L7), gesperrt wird.

In Innsbruck-Land werden die Baustellen auf der Europabrücke sowie am West-Ast der A12 und A13 im Spätherbst fertiggestellt werden. Dadurch soll sich die Lage entspannen. Durch den im Winter anders gelagerten Verkehr seien außerdem einige Maßnahmen, die im Sommer galten, im Winter nicht notwendig. Um ein mögliches Ausweichen auf die Brennerstraße (B182) zu regulieren, wird jedoch eine Dosieranlage eingerichtet. Zudem wird ein Fahrverbot im Bereich der Ellbögener Straße (L38) erlassen. (APA, TT.com)