Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.10.2019


Studie

Überwiegende Mehrheit der Südtiroler laut Umfrage gegen Doppelpass

Fazit einer Umfrage unter Südtirolern: Überwiegende Mehrheit ist skeptisch bis ablehnend gegenüber Doppelstaatsbürgerschaft, weil dies das Zusammenleben gefährden würde.

Doppelte Staatsbürgerschaft? Die meisten Südtiroler halten nichts davon.

© APADoppelte Staatsbürgerschaft? Die meisten Südtiroler halten nichts davon.



Von Serdar Sahin

Wien – Es war eines der Projekte, das die türkis-blaue Regierung im vergangenen Jahr vorangetrieben hat – und es auch nach dem Platzen der Koalition tut: der Plan, Südtirolern die österreichische Staatsbürgerschaft zu verleihen. Die Südtiroler würden das wollen, hieß es als Begründung.

Die erste repräsentative Umfrage zur Causa zeigt aber ein anderes Bild: Demnach hegt die überwiegende Mehrheit der Südtiroler nicht den Wunsch, zusätzlich zur italienischen die österreichische Staatsbürgerschaft zu bekommen. Vielmehr steht sie dem skeptisch bis ablehnend gegenüber. Die gestern präsentierte Studie wurde im Auftrag der Michael-Gaismair-Gesellschaft in Bozen durchgeführt. Co-Studienleiter ist Günther Pallaver von der Universität Innsbruck.

Nur ein Viertel der 700 Befragten hält die Doppelstaatsbürgerschaft für eine sehr gute oder gute Idee, 32 Prozent sehen den Vorstoß „problematisch“ und fast ein Drittel (31 Prozent) lehnt den Doppelpass völlig ab. Der Rest wollte keine Einschätzung dazu abgeben. Dabei ist der Unterschied zwischen der deutschen und der italienischen Sprachgruppe nicht allzu groß. 62 Prozent der ersten Gruppe stehen dem Doppelpass kritisch gegenüber, bei der italienischsprachigen Bevölkerung sind es 71 Prozent.

Der Grund für die mehrheitlich ablehnende Haltung wird laut Untersuchung darin gesehen, dass eine Doppelstaatsbürgerschaft das Zusammenleben in Südtirol gefährden würde. Konkret glauben 36 Prozent, dass das Vorhaben keine Auswirkungen auf das Zusammenleben haben würde, 40 Prozent hingegen denken das Gegenteil. Jeder Zehnte geht davon aus, dass sich das Verhältnis der Sprachgruppen dadurch verbessern könnte. Auch hier gibt es laut Studie „keine nennenswerten Unterschiede nach Sprachgruppen“.

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Gefragt wurde auch, wer tatsächlich einen österreichischen Pass beantragen würde. Nur zwölf Prozent der Befragten sagten, sie würden „auf jeden Fall“ das Angebot einer österreichischen Staatsbürgerschaft annehmen, 22 Prozent würden dies „unter Umständen“ tun. 60 Prozent würden das Angebot „sicher“ ausschlagen. Gesondert nach Sprachgruppen ergab die Studie, dass 68 Prozent der italienischsprachigen Südtiroler und 58 Prozent der deutschsprachigen „sicher keinen Antrag“ stellen würden.

Die Studie dürfte die Gegner des türkis-blauen Vorhabens bestätigen. Die Regierung in Italien (Fünf Sterne und Sozialdemokraten, zuvor Fünf Sterne und Lega) hielt wenig davon. Auch Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) stellte die Pläne infrage, wofür er vom Südtiroler Schützenverband scharf attackiert wurde.

Eine andere Untersuchung, die ebenfalls gestern vorgestellt wurde, ergab hingegen ein gegensätzliches Ergebnis. Befragt wurden darin über 2400 Österreicher, die im Ausland leben. Demnach wünscht sich die große Mehrheit dieser Gruppe (71,6 Prozent) den leichteren Zugang zur Doppelstaatsbürgerschaft. 65 Prozent der befragten Auslands­österreicher würden gerne die Staatsbürgerschaft des Landes, in dem sie leben, annehmen, allerdings nur dann, wenn sie die österreichische Staatsbürgerschaft nicht verlören.