Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 25.10.2019


Landespolitik

Entlastung für Gehörlose ist in Reichweite

Die FH Gesundheit Tirol will im Herbst 2020 mit einem Bachelor-Studiengang für Gebärdensprachdolmetschen starten. Die Finanzierung ist so gut wie auf Schiene.

Für gehörlose Menschen können Gebärdensprachdolmetscher die Teilnahme am Alltagsleben grundlegend erleichtern.

© iStockphotoFür gehörlose Menschen können Gebärdensprachdolmetscher die Teilnahme am Alltagsleben grundlegend erleichtern.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Allein im Westen Österreichs würden bis zu 100 Gebärdensprachdolmet­scher benötigt. Diese seien notwendig, um Gehörlosen einen weiteren Schritt in Richtung Bewältigung eines möglichst barrierefreien Alltags zu ermöglichen. „Der Bedarf ist sehr groß“, bestätigt Walter Draxl, Geschäftsführer der fhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol GmbH. Während es in Graz lediglich ein diesbezügliches Wahlfach im Rahmen des Pädagogikstudiums gebe, habe eine Fachhochschule in Linz heuer keinen Studiengang mehr eröffnet, so Draxl.

Schon seit Langem werden in Tirol deshalb Pläne gewälzt, einen Fachhochschul-Bachelorstudiengang zu etablieren. Bis dato scheiterte dies aber an der Finanzierung. Das hat sich jetzt geändert. „Es gibt ein Schreiben des Landes, in dem uns die Finanzierung in Aussicht gestellt wird“, freut sich Draxl gegenüber der TT. Das kann Wissenschaftslandesrat Bernhard Tilg (VP) bestätigen. Aufgrund der Wichtigkeit und des Bedarfs könne das Land „die Finanzierung eines FH-Bachelorstudiengangs in Kooperation mit der FH Gesundheit sicherstellen“.

Mit 15. September, so Draxl, habe man deshalb bei der AQ Austria das Akkreditierungsverfahren beantragt. Dem voraus ging ein intensiver Prozess zur Studienplanerstellung. Die Akkreditierung benötige bis zu neun Monaten. Bei positivem Abschluss sei geplant, im Herbst 2020 den Bachelor-Studiengang mit 25 Personen zu starten. Das wäre dann der erste seiner Art in Österreich. Vorerst soll die Ausbildung zum Gebärdensprachdolmetsch auf sechs Jahre (zwei Studiengänge) abgesichert werden. Eine Kooperation mit der Universität Innsbruck sei ein möglicher zweiter Schritt. Auslastungssorgen hat Draxl nicht: „Ich befürchte, dass wir einen deutlichen Überhang an Bewerbungen haben werden.“

Die Kosten beziffert Draxl mit rund 300.000 Euro pro Jahr. Für Tilg gut investiertes Geld: „Überall dort, wo gehörlose Menschen auf Hörende treffen, werden Gebärdensprachdolmetscher benötigt, ob bei einem Arztbesuch oder auch bei Behördengängen.“ Die Landesregierung soll bereits in den kommenden Wochen grünes Licht geben.

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