Letztes Update am Fr, 25.10.2019 08:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Pitztal-Ötztal

Grüne bei Gletscherehe auf der Bremse, ÖVP forciert Ausbau

Ob die mündliche Umwelt-Verhandlung für das 130-Millionen-Projekt „Skigebietszusammenschluss Pitztal-Ötztal“ Anfang Dezember überhaupt stattfindet, entscheidet sich erst nächste Woche.

Die Touristiker wollen mit der Gletscherehe in eine erfolgreiche Zukunft golden, Umweltorganisationen warnen vor massiven Eingriffen.

© TT / BöhmDie Touristiker wollen mit der Gletscherehe in eine erfolgreiche Zukunft golden, Umweltorganisationen warnen vor massiven Eingriffen.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Im Mai 2016 haben die Pitztaler und Ötztaler Gletscherbahnen den „Skigebietszusammenschluss Pitztal-Ötztal“ beim Land eingereicht und – nach mehrmaligen Verbesserungsaufträgen – drei Jahre später die konsolidierten Einreichunterlagen übermittelt. Eigentlich wäre die mündliche Verhandlung für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) bereits im Oktober geplant gewesen, doch zahlreiche Expertisen von Amtssachverständigen und vom Land beauftragten Gutachtern sind notwendig. Und dabei spießt es sich jetzt.

Ob die für Anfang Dezember angepeilten UVP-Beratungen stattfinden können, entscheidet sich in den nächsten Tagen. Gutachten sind nämlich noch ausständig, das Zeitkorsett ist eng. Das Land will sich in diesem im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehenden Verfahren jedoch keine Blöße geben. Möglicherweise wird die für mehrere Tage angesetzte Erörterung verschoben. Mit einer Entscheidung ist ohnehin erst Mitte/Ende nächsten Jahres zu rechnen.

Umwelt- und Naturschutzorganisationen machen gegen das Vorhaben mobil. Bis gestern Abend haben 9130 Personen bereits eine Online-Petition „Hände weg von unseren Gletschern“ unterschrieben. Massive Eingriffe in die Gletscherflächen wie die Sprengung und der Abtrag von über 750.000 Kubikmetern Gestein werden kritisiert. Die Auswirkungen auf das Landschaftsbild dürften letztlich die Kernfrage im UVP-Verfahren sein. Kritisch sieht Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer die Erschließung bisher unberührter Gletscher wie Mittelbergferner, Karlesferner und Hängender Ferner und einen immensen Naturverbrauch. Das sei nicht zukunftsfähig und in Zeiten des Klimawandels ein völlig falsches Signal.

Politisch wurde die Gletscherehe bei der Neuauflage der schwarz-grünen Landesregierung im Vorjahr außer Streit gestellt, weil sie sich bereits im Behördenverfahren befindet. Trotzdem: Die Grünen tun sich sehr schwer damit. Die Erschließung von neuen Pisten lehnen sie ab, „eine Überspannung ist möglich“, sagt der grüne Klubobmann Gebi Mair. Die ÖVP sieht das naturgemäß anders. Klubobmann Jakob Wolf möchte die Behördenverfahren nicht kommentieren, „aber es ist bekannt, dass uns der Zusammenschluss ein Anliegen ist. Vor allem aus touristischer Sicht ist das zusätzliche Angebot wichtig.“

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Zuletzt wies die Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung auf die positiven Wertschöpfungseffekte durch die Gletscherehe hin. Eine zusätzliche Bruttowertschöpfung von 131,8 Mio. Euro wird erwartet.