Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 04.11.2019


Landespolitik

Verhandlungsmarathon für neue Bahntrasse

Ist die acht Hektar große Baustelle in Angath für den Bahntunnel notwendig oder geht es kleiner? Die Verhandler geben sich zugeknöpft.

Die Wiese in Angath würden sich für viele Jahre in eine Baustelle verwandeln.

© OtterDie Wiese in Angath würden sich für viele Jahre in eine Baustelle verwandeln.



Von Wolfgang Otter

Angath, Angerberg – Das Ziel war klar: Im Bereich von Angath muss die Bahn auf der neuen Zulaufstrecke zum Brennerbasistunnel unterirdisch verlaufen. Das können die Angather abhaken, der Tunnel wurde verlängert und kommt erst wieder in Niederbreitenbach bzw. Kundl ans Tageslicht. Aber seit Monaten gibt es einen zweiten Verhandlungspunkt: die offene Megabaustelle, die für das Loch durch den Berg notwendig ist. Da der ganz große Teil der Arbeiten in Angath vorgenommen wird, wären die Anrainer mit einer bis zu acht Hektar großen Baustelle über Jahre hinweg konfrontiert. Außerdem sollen mit der ungeheuerlich großen Masse an Aushubmaterial des zwölf Kilometer langen Tunnels das Ochsental und das Schöfftal in Angerberg aufgefüllt werden. Entsprechend große Rodungsarbeiten wären auch dafür notwendig. Alles Dinge, die Hunderte Bewohner mit Lärm, Staub und, in Zeiten des Klimaschutzes, zu großem Eingriff in die Natur in Verbindung bringen. Auch Zigtausende Lkw-Fahrten über die Angerberger Landesstraße wären notwendig. Daher kursieren Unterschriftenlisten, um Politiker und ÖBB zum Handeln zu bringen.

Über den Verlauf dieser Gespräche und Verhandlungen bleiben aber die Verantwortlichen recht vage. Man führe „einen offenen Dialog mit den Bürgern bzw. mit der Gemeinde Angath. Dementsprechend werden auch Ideen diskutiert, die in Teilbereichen zu einer möglichen Verbesserung der Baulogistiksituation führen können. Ob und in welchem Umfang die verschiedenen Vorschläge in die weitere Planung einfließen, ist Gegenstand der ergebnisoffenen Gespräche“, teilt ÖBB-Pressesprecher Christoph Gasser-Mair mit. Angaths Bürgermeister Josef Haaser gibt sich ebenfalls sehr zugeknöpft. Sogar in der öffentlichen Gemeindeversammlung wollte Haaser lediglich mitteilen, dass es sehr gut ausschaue.

Inoffiziell wird in Angath darüber diskutiert, dass man die acht Hektar offene Baustelle verkleinert und verlegt, dafür aber eine zeitliche Verlängerung der Arbeiten in Kauf nimmt.

Auch Angerberg wäre von den Bauarbeiten durch die Aufschüttung des Ochsentals und des Schöfftals betroffen. Hier hat sich eine Bürgerinitiative formiert, die an die 300 Unterschriften gesammelt hat. Laut Bürgermeister Walter Osl hat man einen Arbeitskreis gebildet, der sich mit dem Thema beschäftigt.

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Im Frühjahr 2019 haben die ÖBB ihre Planungen für die zukünftige Tunnelbaustelle in Angath öffentlich vorgelegt. „Zur Prüfung der Umweltverträglichkeit wurden die Unterlagen anschließend im Sommer 2019 an das BMVIT übermittelt. Als zuständige Behörde prüft das BMVIT die von den ÖBB eingereichte Umweltverträglichkeitserklärung (UVE) für die beantragte Grundsatzgenehmigung. Die ÖBB gehen davon aus, dass das Projekt den Umweltstandards entspricht und daher positiv von den Sachverständigen im UVP-Verfahren beurteilt wird“, so der ÖBB-Pressesprecher abschließend.