Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.11.2019


Bezirk Kufstein

Bauschutt-Anlage neben Spital in Kufstein für Land kein Problem

Gutachter der Umweltschutzabteilung geben der Aufbereitungsanlage für Baurestmassen bei Kufstein Süd grünes Licht. Für die Gegner „blanker Hohn“.agen Gegner.

Von der Grundstücksgrenze des Krankenhauses zu jener der geplanten Anlage sind es weniger als 400 Meter Luftlinie.

© Tiris/ScreenshotVon der Grundstücksgrenze des Krankenhauses zu jener der geplanten Anlage sind es weniger als 400 Meter Luftlinie.



Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Die Freude über den Brief, den das Amt der Tiroler Landesregierung all jenen zukommen ließ, die im Sommer gegen die geplante Baurestmassen-Anlage bei Kufstein Süd eine Stellungnahme abgegeben hatten, hält sich in Grenzen. In dem zehnseitigen Schreiben, das der TT vorliegt, geben die Gutachter der Abteilung Umweltschutz dem Projekt grünes Licht. Wasser, Lärm, Luft und Staub – keiner der Sachbearbeiter sah in dem Betrieb eine Gefährdung für Anrainer, auch nicht für die Patienten des keine 400 Meter entfernten Bezirkskrankenhauses.

Laut dem Sachbearbeiter der Landessanitätsdirektion ist eine gesundheitliche Beeinträchtigung oder unzumutbare Lärmbelästigung durch die Brech- und Siebanlage „sehr unwahrscheinlich“. Die höher gelegene Autobahnabfahrt diene als Schutzwall. „Dem erhöhten Regenerationsbedarf der Patientinnen und Patienten wird durch die Betriebszeiten (...) von Montag bis Freitag zwischen 8 und 18 Uhr Rechnung getragen.“ Weil für die Patienten im Krankenhaus ohnehin kein „natürlicher Tagesablauf“ bestehe.

Als „blanken Hohn“ empfindet dies Roman Kopetzky, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) gegen die Anlage. Ob die Lärmgrenzen, die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen 55 Dezibel bei Dauerbeschallung, eingehalten werden, könne man nicht voraussagen. „Das ist ein rechnerisches Modell, keiner hat das je gemessen.“

Sauer stößt ihm auch eine Empfehlung des Gutachters auf. Demnach solle die Behörde Milde walten lassen, damit die Zerkleinerungsmaschine (Brecher) überhaupt auf der Anlage stehen darf. Aus Niederösterreich gibt es nämlich einen Bescheid, wonach solche Geräte mindestens 400 Meter von „schützenswerten Gebieten“ (u. a. Krankenhäuser) entfernt sein müssen. In Tirol ist dies nicht so geregelt. Im Schreiben plädiert der Sachbearbeiter aber dafür, „aufgrund räumlicher Voraussetzungen“ von einer solchen Auflage abzusehen.

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„Seltsam“ findet diesen Absatz Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel. „Solche Abstandsflächen gibt es ja nicht umsonst.“ Die Gemeinde werde jedenfalls eine Stellungnahme abgeben, bis Montag haben die Parteien dafür Zeit. Auch die Bürgerinitiative will gegen das Projekt weiter „politisch urgieren“, erklärt Kopetzky. Man müsse schließlich davon ausgehen, dass die Baurestmassen auch asbesthaltige und andere giftige Bruchteile enthalten. „Die haben wir dann wieder in der Luft.“ Von der Bearbeitung reinen Asbestbetons sieht der Unternehmer inzwischen wie berichtet ab. Knackpunkt ist für die BI aber auch das Verkehrsproblem. „Schon jetzt ist der Kreisverkehr an Wochenenden überlastet.“

Der ärztliche Direktor des Bezirkskrankenhauses Kufstein, Carl Miller, war gestern nicht erreichbar.

Gemeindeverbandsobmann Rudolf Puecher will die rechtlichen Chancen ausloten und verlangt vom Land eine Garantie, dass „die Einhaltung der Auflagen auch kontrolliert wird“.




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