Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 16.11.2019


Heimerziehung

Untersuchungen zu Mädchenheim Martinsbühel werden ausgeweitet

In Martinsbühel waren die Mädchen über Jahrzehnte sexualisierter Gewalt und Missbrauch ausgesetzt. Nun werden die Untersuchungen auch auf andere Heime ausgedehnt.

Hinter den Mauern von Martinsbühel verbarg sich unendliches Leid.

© Vanessa Rachlé / TTHinter den Mauern von Martinsbühel verbarg sich unendliches Leid.



Innsbruck – Der Arbeitsauftrag zur Aufarbeitung der Geschehnisse in dem von den Benediktinerinnen bis 2006 geführten Mädchenheim Martinsbühel bei Zirl wird ausgeweitet. Diesem Vorschlag der zu Martinsbühel eingesetzten Kommission, die von der Erziehungswissenschafterin und Psychotherapeutin Margret Aull geleitet wird, sind jetzt das Land Tirol und die Diözese Innsbruck gefolgt.

In Martinsbühel waren die Mädchen über Jahrzehnte sexualisierter Gewalt und Missbrauch ausgesetzt. Alle nichtöffentlichen bzw. konfessionellen Heime, die aus der bisherigen Aufarbeitung der Jugendfürsorge und Heim­erziehung ausgeklammert waren, werden in die Betrachtung miteinbezogen. Neben Martinsbühel trifft das auf das Erziehungsheim Scharnitz, die Bubenburg St. Josef in Fügen (Seraphisches Liebeswerk/Kapuziner), das Haus St. Josef in Mils (Barmherzige Schwestern Zams) und das Josefinum in Volders (Kreuzschwestern) zu.

Das Land stellt dafür 125.000 Euro zur Verfügung. Zum einen geht es um eine systemische Zusammenschau und im Detail um die Zustände in den Heimen selbst wie auch um die Zuständigkeiten, heißt es in dem ersten Zwischenbericht. Weitere Fragen befassen sich mit den Lebensbedingungen für die dort untergebrachten Kinder und Jugendlichen und damit, wie die verantwortlichen bzw. aufsichtspflichtigen, öffentlichen und nicht-öffentlichen/konfessionellen Stellen diese Verantwortung (nicht) wahrgenommen haben.

„Mit dieser ausführlichen Zusammenschau kann ein für alle Beteiligten herausforderndes und mit einem deutlichen Versagen belastetes Kapitel Tiroler Landes- und Kirchengeschichte zumindest zu einem vorläufigen Abschluss gebracht werden“, betonen LH Günther Platter, Sozialreferentin LR Gabriele Fischer und Bischof Hermann Glettler. (pn)

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