Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 18.11.2019


Osttirol

Pfleghaus im Schloss Anras erwacht wieder zum Leben

Mit Hilfe der Landesgedächtnisstiftung mietet die Gemeinde Anras Teile des historischen Pfleghauses, das seit 2014 geschlossen ist. Das Gemeindeamt übersiedelt dorthin, im Obergeschoß ist Platz für Kultur.

null

© Oblasser



Von Catharina Oblasser

Anras – Ein historischer Architekturschatz in der Gemeinde Anras wird wieder zugänglich gemacht: das Schloss Anras, auch Pfleghaus genannt, das aus dem 14. Jahrhundert stammt. Das mächtige Gebäude grenzt direkt an die Pfarrkirche an und ist ein Blickfang im Dorfzentrum. Es ist seit 1989 im Eigentum der deutschen Messerschmitt-Stiftung.

In seiner letzten Sitzung beschloss der Anraser Gemeinderat, dass das Gemeindeamt ins Pfleghaus übersiedeln soll, berichtet Bürgermeister Johann Waldauf. „Wir mieten das erste und zweite Obergeschoß sowie das Dachgeschoß des Pfleghauses für die Dauer von 50 Jahren. Im ersten Stock wird das Gemeindeamt sein, der zweite Stock und das Dachgeschoß werden musealen und kulturellen Zwecken gewidmet werden.“ Das können Konzerte, Ausstellungen, Lesungen und andere Veranstaltungen sein.

Zurzeit arbeitet das Anraser Gemeindeamt in beengten Verhältnissen. Neben dem Finanzverwalter und dem Waldaufseher müssen sich zwei weitere Angestellte und der Bürgermeister selbst die wenigen Räume teilen. Das wird mit dem Umzug ins Pfleghaus der Vergangenheit angehören. Dort gibt es auch einen Aufzug, der den Zugang barrierefrei macht. Das jetzige Gemeindeamt soll dann Platz für die öffentliche Bücherei bieten, die zurzeit in einer kleinen Wohnung untergebracht ist.

Laut Waldauf entstehen im Erdgeschoß des Pfleghauses – dieser Teil wird nicht von der Gemeinde gemietet – ein Café und Ferienwohnungen.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Bei der Finanzierung des Vorhabens kommt die Landesgedächtnisstiftung ins Spiel. „Es ist vorgesehen, dass wir dem Eigentümer des Pfleghauses, der Messer­schmitt-Stiftung, eine Mietvorauszahlung von 500.000 Euro für die 50 Jahre leisten“, erklärt der Bürgermeister. „Dafür vereinbaren Gemeinde und Landesgedächtnisstiftung einen einmaligen Förderbetrag von 450.000 Euro. Den erhalten wir für die museale und kulturelle Tätigkeit im Pfleghaus.“

Bevor es so weit ist, muss noch umgebaut werden. Die Einreichpläne werden gerade erstellt, sagt Waldauf. „Wir schätzen, dass das Gemeindeamt zwischen Ende 2020 und Mitte 2021 ins Pfleghaus übersiedeln kann.“

Rund um das historische Bauwerk war es in den letzten Jahren still geworden. Es diente seit 1997 als Museum und Galerie und war ein kulturelles Zentrum im Osttiroler Pustertal. Zu der Zeit waren das Land Tirol und die Gemeinde Anras die Mieter. Schon damals war geplant, das Gemeindeamt ins Pfleghaus zu übersiedeln, doch darüber konnte keine Einigung erzielt werden. Schließlich lief 2014 der Mietvertrag aus. Seither ist das historische Gebäude – bis auf einige wenige Ausnahmen – geschlossen.