Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 30.11.2019


Bezirk Kitzbühel

Digital in die Zukunft: Schnelleres Internet für Brixental und Wildschönau

Der Gemeindeverband Brixental-Wildschönau verlegt nun eine Zurbringerleitung für schnelles Internet in die beiden Täler. Einige Gemeinden bauen schon an einem Netz.

Dank Lichtwellenleiter ist eine schnelle Datenübertragung möglich.

© Getty Images/amana images RFDank Lichtwellenleiter ist eine schnelle Datenübertragung möglich.



Von Harald Angerer

Itter, Kirchberg i. T., Westendorf – Auf dem Datenhighway wird es langsam eng. Schnelles Internet wird auch für Landgemeinden ebenso wichtig wie Kinderbetreuungsplätze, Arbeitsplätze, Wasser und Kanal. Es gehört zur Grundversorgung und ist ein entscheidender Faktor dafür, ob Menschen im Ort bleiben oder in Ballungszentren abwandern.

Um hier dagegenzuhalten, haben sich die Gemeinden des Planungsverbandes Brixental-Wildschönau entschieden, die Versorgung selbst in die Hand zu nehmen. Behilflich sind dabei das Land Tirol und der Bund mit Förderungen. Zum einen sollen die Netze innerorts ausgebaut werden, zum anderen braucht es aber auch so genannte „Backbones“. Das sind überregionale Datennetze, welche die Gemeinden mit den Datenströmen versorgen. Eine solche Leitung ist im Brixental schon länger in Planung, nun erfolgt die Umsetzung.

Der Gemeindeverband hat sich aber entschieden, nicht selbst eine neue Leitung zu verlegen. „Der Planungsverband übernimmt einen Teil des bestehenden Rohrverbundes der A1“, erklärt Planungsverbandsobmann und Itterer Bürgermeister Josef Kahn (VP). Diese Lösung sei zum einen deutlich günstiger, als selbst eine Verrohrung zu verlegen, und zum anderen deutlich schneller. „Sonst hätten wir mit jedem einzelnen Grundeigentümer verhandeln müssen und das hätte die Sache sicher verzögert“, ist Kahn überzeugt. So können schon im kommenden Jahr die Leitungen von Wörgl bis Kitzbühel eingezogen werden.

Die Kosten für die Nutzung der Rohre liegen bei 1,3 Millionen Euro. Die Kosten wurden nach einem speziellen Schlüssel aufgeteilt, der sich nach Einwohnerzahl, Finanzkraft und Nächtigungen richtet. In Betrieb gehen soll diese Zubringerleitung voraussichtlich bis spätestens Herbst 2020. Die Gemeinde mit dem größten Anteil ist Kirchberg, hier wurde der Beitrag nun bei der jüngsten Gemeinderatssitzung beschlossen. Die Kirchberger trifft es mit knapp 25 Prozent. Auch hier läuft im Ort bereits seit dem Jahr 2018 der Ausbau der Glasfaser-Infrastruktur. „Es wird nirgends mehr aufgegraben, ohne dass wir dort Rohre verlegen“, schildert Bürgermeister Helmut Berger (SPÖ). Auch das so genannte „Einblasen“ der Glasfaserleitungen gehe zügig voran. Insgesamt wurden in Kirchberg bereits 40 Kilometer Lichtwellenleiter verlegt. Doch der Ausbau soll noch weiter gehen, der geplante Ausbaugrad in Kirchberg liegt bei 98 Prozent. „Wir haben ein Kabel sogar bis zur Bergstation der neuen Fleckalmbahn verlegt“, schildert der Bürgermeister. Eine schnelle Datenverbindung sei jetzt schon wichtig und wird in Zukunft noch wichtiger. Den Ausbaugrad wolle man in den nächsten fünf bis sechs Jahren erreichen. Die Gesamtkosten schätzt Berger auf 1 bis 1,5 Mio. Euro. Man habe in Kirchberg das Glück, zum Teil in bestehenden Leitungen einspeisen zu können. Die Förderungen liegen je nach Bereich bei 25 bis 75 Prozent.

Ebenfalls beschlossen wurde der Beitrag der Gemeinde Westendorf in deren jüngster Gemeinderatssitzung. Sie ist mit gut 16 Prozent betroffen. Hier gibt es allerdings innerorts noch keinen gemeindeeigenen Ausbau. Es wurde jedoch ein Projekt erstellt, dieses wird mit 2,8 Millionen für ein annähernd flächendeckendes Netz beziffert. In fast allen Bereichen seien jedoch die Förderungen bereits von einem anderen Anbieter abgeholt worden. „Das ist bei uns leider zu lange liegen geblieben“, sagt der zuständige Gemeinderat Andreas Kurz (WIR). Aber auch in Westendorf will man nun jede Möglichkeit nutzen, um Leitungen zu verlegen. Es soll laut Kurz auch bald eine weitere Breitbandausbau-Initiative des Bundes geben, hier setzt Kurz dann darauf, dass Westendorf einsteigen kann.