Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 03.12.2019


Innsbruck-Land

Stau und Durchzugsverkehr im Raum Hall: Zeitfaktor als Kardinalfrage

Da ein Autobahnanschluss Mils mit hohen Hürden verbunden ist, bleibt Südumfahrung von Hall am Tisch – trotz anhaltender Skepsis der Bürger.

Die Vekehrsfrage bleibt im Raum Hall weiterhin hochbrisant.

© DomanigDie Vekehrsfrage bleibt im Raum Hall weiterhin hochbrisant.



Hall – Im Frühjahr 2020 soll die Entscheidung fallen, wie das massive Problem mit Stau und Durchzugsverkehr im Raum Hall gelindert werden soll. Wie berichtet, halten Verkehrsexperten zwei Varianten einer zusätzlichen Anbindung zur Autobahn für verfolgenswert: Vorschlag eins ist eine Verbindungsstraße von der B171 über den Inn zur L9 und weiter zur bestehenden Anschlussstelle Hall-Mitte. Diese „lange Südumfahrung“ ist de facto eine abgespeckte Form der 2015 von der Milser Bevölkerung abgelehnten Spange Hall Ost – nämlich ohne einen Autobahnhalbanschluss. Variante zwei sieht einen neuen Autobahnvollanschluss beim Milser Gewerbepark vor.

Die Entlastungswirkung ist ähnlich, zur Kardinalfrage wird die Zeitachse: Die Umfahrung wäre laut Experten in fünf bis sieben Jahren umsetzbar, sie bräuchte keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Der Vollanschluss Mils erfordert hingegen sehr wohl eine UVP – und die Zustimmung der Asfinag. Die Verfahrensdauer wäre daher deutlich länger (genannt werden zehn bis 15 Jahre), die Erfolgsaussicht schwer abschätzbar.

Dass der Flächenbedarf für die Umfahrung mit ca. 15.000 m2 rund dreimal so hoch ist wie beim Anschluss Mils, ist offenbar nicht entscheidend. Christian Molzer, Vorstand der Abteilung Verkehr und Straße beim Land, erklärt: „Eine neue Autobahn-Anschlussstelle unterliegt in jedem Fall dem Bundesstraßen- und dem UVP-Gesetz, unabhängig von der Größe.“ Die Südumfahrung wäre hingegen ein reines Landesstraßenprojekt, da gelte vor allem die Länge der Straße als Kriterium, ob ein UVP-Verfahren nötig ist. Und schon beim 2015 abgebrochenen Projekt habe man abgeklärt, dass es hier keine UVP bräuchte.

Die Politik steht damit vor einem möglichen Dilemma, denn bei der jüngsten Infoveranstaltung wurde deutlich, dass die Bürger die Variante Mils bevorzugen – selbst wenn diese viel länger dauert. Hall Ost scheint auch in der neuen Variante diskreditiert, schon wegen der Nähe zum Naherholungsgebiet Guggerinsel.

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Wie es jetzt weitergeht? Beide Varianten würden von den Experten nun vertiefend aufbereitet und dann im Planungsverband beraten, erklärte BM Eva Posch im Haller Gemeinderat. Dann werde man mit beiden Vorschlägen zu LH Günther Platter gehen. Posch will sich auf TT-Nachfrage nicht auf eine bevorzugte Variante festlegen, sie wolle „so rasch wie möglich eine Lösung“. Für StR Gerhard Mimm (SPÖ) ist unverständlich, dass die Milser Variante so lange dauern soll, hier müsse LH Platter in Wien urgieren.

„Die Variante beim Milser Gewerbepark ist raumordnungsfachlich sicher die beste“, meint BM Peter Hanser aus Mils, die Erfolgsaussicht sei aber zu hinterfragen. Für ihn gilt daher: „Wenn wir sehen, dass der Vollanschluss Mils nur äußerst langfristig möglich oder vom Prinzip her gar nicht machbar ist, würde ich die Umfahrungsvariante bevorzugen.“ Diese sei ja durch den Wegfall des Halbanschlusses Richtung Unterland gegenüber der abgelehnten Spange Hall Ost „deutlich verändert“, die Auswirkungen auf Mils seien in der neuen Version „minimal“. Jedenfalls zählt auch Hanser auf Unterstützung der Landesspitze – und hofft auf „frühzeitiges Feedback des Verkehrsministeriums, damit wir nicht nur leere Kilometer machen“. (md)




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