Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 04.12.2019


Bezirk Imst

Gemeinde Haiming kauft Wohnungen zur Vermietung an Bürger

Nachdem Wohnungsbedarf besteht, greift die Gemeinde ein altbewährtes Modell auf und kauft sich bei einem Bauträger ein.

Die Gemeinde Haiming tritt in ihre eigenen Fußstapfen und kauft – wie vor 25 Jahren – Wohnungen von einem Bauträger, um sie dann an Gemeindebürger weiterzuvermieten.

© DornDie Gemeinde Haiming tritt in ihre eigenen Fußstapfen und kauft – wie vor 25 Jahren – Wohnungen von einem Bauträger, um sie dann an Gemeindebürger weiterzuvermieten.



Von Agnes Dorn und Thomas Parth

Haiming – „Vor gut 25 Jahren ist die Siedlung Kalkofen entstanden. Damals galt die Regelung für einen Bauträger, 75 Prozent der entstehenden Wohnungen an Haiminger Gemeindebürger zu vergeben. Der Sinn dabei war, übertriebenen Zuzug zu verhindern“, erinnert sich Josef Leitner an seine erste Bürgermeister­periode. Diese 75 Prozent habe man damals nicht ganz erreicht. „Daraufhin hat die Gemeinde selbst fünf Wohnungen gekauft und dies­e an Einheimische weitervermietet mit dem Angebot, dass die Mieter die Wohnungen auch kaufen können.“ Weil ein aktuelles Ansuchen auf dem Tisch liegt, greift die Gemeinde das bewährte Modell neu auf.

Harald Pohl hat ein Grundstück in Ötztal-Bahnhof erworben, auf dem bereits 15 Wohnungen bestehen und das er um weitere zehn Wohnungen erweitern möchte. „Weil man gemerkt hat, dass viel Bedarf besteht, wird die Gemeinde erneut aktiv und kauft fünf bis sieben Wohnungen nach den Grundsätzen der Wohnbauförderung“, informiert Leitner. Die Wohnbauförderung (WBF) sei weniger wegen der Finanzierungsvorteile gewählt worden, sondern vielmehr wegen der „restlichen Spielregeln“, wie Leitner erklärt. „Die WBF gibt Preisobergrenzen für den Bau und das Grundstück sowie für Rahmenbedingungen für die Gebäudesubstanz vor. Auch muss ein Eigenbedarf an Wohnfläche vorliegen und die Einkommensgrenzen müssen eingehalten sein“, liste­t der Bürgermeister auf. So schieb­e die Gemeinde möglicher Spekulation oder Geldanlage einen Riegel vor. Die Vergabehoheit liege ebenfalls beim Gemeinderat. Generell seien ein maßvoller Zuzug und ein stetiges (Bevölkerungs-)Wachstum wie in den vergangenen 20 Jahren wünschenswert, so Leitner: „Das vertragen wir.“

Noch vor Bewilligung eines Bebauungsplans liegt nun ein einstimmiger Grundsatzbeschluss des Gemeinderats vor, mit dem dieser den Kauf der wohnbaugeförderten Wohnungen absegnet. „Wir sollten möglichst viel­e Wohnungen kaufen, um uns das Vorkaufsrecht zu sicher­n“, sieht GR Stephan Kuprian so ein Vorgehen auch für zukünftige Projekte als sinnvoll an. Mit der Vorgabe der Gemeinde und dem Ausblick auf eine gute Zusammenarbeit zeigt sich auch Bauherr Harald Pohl zufrieden. Bei den Details des nun auszuarbeitenden Bebauungsplans soll die qualitative Errichtung des Gebäudes gewährleistet werden, wie Leitner erklärt.