Letztes Update am Di, 19.03.2013 12:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


1961-2012

Trauer in Tiroler Politik: Bernhard Ernst verstorben

Der Klubobmann des Bürgerforums – Liste Fritz und langjährige Landtagsabgeordnete verstarb am Samstag völlig überraschend nach einer Schitour.

© www.muehlanger.atBernhard Ernst.



Innsbruck – Tiefe Trauer in der Tiroler Politik: Am Samstag ist völlig überraschend der Klubobmann des Bürgerforums/Liste Fritz Bernhard Ernst gestorben. Das bestätigte ein Sprecher der Liste Fritz gegenüber der Tiroler Tageszeitung.

Nach einer Schitour in Seefeld klagte der 51-Jährige gegenüber einem deutschen Bundesheerangehörigen über Stechen in der Brust. Kurz darauf sackte er auf dem Parkplatz der Bergbahnen Rosshütte zusammen. Der Soldat leistete sofort erste Hilfe, doch Ernst verstarb nach längerer Reanimation noch an Ort und Stelle. Ernst hinterlässt seine Frau und drei Söhne.

Mit Bernhard Ernst verliert die Tiroler Politik einen profilierten Abgeordneten. Ende der 1980er-Jahre formierten sich im ganzen Land Bürgerinitiativen, der aus Hochfilzen stammende Ernst war einer ihrer führenden Köpfe. Als Sprecher der Tiroler Müllplattform machte er erstmals auf sich aufmerksam. Er trat gegen die Müllverbrennung und für eine ökologischere Abfallbehandlung auf. Enge Verbindungen pflegte Ernst auch mit dem Tiroler Transitforum. Mit einer unabhängigen Liste wurde er in Inzing auf lokaler Ebene politisch aktiv.

1994 kandidierte er für die Tiroler Grünen und zog in das Tiroler Hohe Haus ein, dem er bis 1999 angehörte. Nach der Landtagswahl 1999 musste er sich aus der Politik zurückziehen, als Vierter auf der Landesliste der Grünen verpasste er ein Mandat. In der Folge kehrte er auch den Grünen den Rücken.

2008 kehrte Bernhard Ernst auf das landespolitische Parkett zurück, Seite an Seite mit Fritz Dinkhauser. Ernst wurde nach dem Einzug des Bürgerforums in den Landtag der erste Klubobmann der Liste Fritz. Ernst war Gemeinderat in Inzing und seit Jahrzehnten engagierter Funktionär im österreichischen und Tiroler Ringersport. Er war auch Präsident des österreichischen Ringsportverbandes.

Am Samstag hörte sein Herz auf zu schlagen, der 51 Jährige dürfte an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben sein.

Bernhard Ernst war neben seiner politischen Tätigkeit über viele Jahre sowohl als Erzieher (Sozialpädagoge) u.a. in der Skihauptschule Neustift als auch als Unternehmensberater (Tourismus) tätig. Im Landtag war er ein Verfechter einer Tiroler Energiewende hin zur verstärkten Förderung der erneuerbaren Energien.

Reaktionen zum Tod von Bernhard Ernst

Bürgerforum-Chef Fritz Dinkhauser ist fassungslos über das Ableben seines Parteifreunds. Nach der Todesnachricht fuhr er sofort nach Inzing, um der Familie von Bernhard Ernst beizustehen.

Landeshauptmann Günther Platter zeigt sich vom plötzlichen Ableben des langjährigen Abgeordneten zum Tiroler Landtag geschockt: „Das Land Tirol trauert um einen engagierten Politiker. Ich habe Bernhard Ernst trotz parteipolitisch oft unterschiedlicher Ansichten als kritischen und aktiven Mandatar geschätzt. Mein Mitgefühl gilt seiner Familie in diesen schweren Stunden.“

In einer ersten Reaktion über den plötzlichen Tod von Bernhard Ernst zeigt sich auch SPÖ-Chef LHStv. Gerhard Reheis im Namen des SPÖ-Landtagsklubs und des Regierungsteams tief betroffen. „Ich habe Bernhard sowohl menschlich als auch politisch sehr geschätzt. Angesichts der tragischen Ereignisse in den letzten Wochen, ich erinnere an den Unfall des Landecker Bürgermeisters Bertl Stenico, relativieren sich zahlreiche Kleinigkeiten im politischen Alltagsgeschäft“, erklärt Reheis in einer Aussendung.

„Unser Mitgefühl gilt in diesen schweren Stunden seiner Familie sowie den engsten Freunden und Weggefährten. Bernhard Ernst war ein überaus engagierter und stets konstruktiver Politiker im Tiroler Landtag. Er hatte Handschlagqualität, ein hohes Maß an sozialer Kompetenz und war in der Sache konsequent. Dadurch war er stets ein interessanter Gesprächspartner. Ihm gilt unsere Anerkennung“, betont LHStv. Reheis abschließend.

„Bernhard Ernst war schon in seiner Zeit als Sprecher der Tiroler Müllplattform ein Kämpfer für verbesserten Umweltschutz. Es ist tragisch, dass dieser engagierte Politiker kurz vor seiner dritten Legislaturperiode im Landtag so plötzlich verstorben ist. Er hatte als hervorragender Redner die Gabe, Menschen für seine Anliegen zu gewinnen. Er war voll Tatendrang und Ideen. Das Gemeinwohl war bei ihm nicht Schlagwort, sondern Inhalt – nicht nur in der Politik, sondern auch bei seinem sportlichen und musikalischen Engagement. Wir Grüne trauern und sind in Gedanken bei seiner Familie“, so der ehemalige Klubobmann Georg Willi, dessen Klubkollege Bernhard Ernst fünf Jahre lang war, in einer Aussendung.

Der freiheitliche Landesparteiobmann Gerald Hauser zeigte sich ebenfalls „sehr betroffen“. Sein Mitgefühl gelte besonders Bernhard Ernsts Familie. Der Klubobmann sei „ein äußerst kompetenter Ansprechpartner gewesen.

Mit Bernhard Ernst verliere die Tiroler Opposition eine der treibenden Kräfte, erklärte Landtagsabgeordneter Walter Gatt (Freie Tiroler) in einer Aussendung seine Betroffenheit. „Mein Verhältnis zu Bernhard Ernst war immer fair und von gegenseitiger Wertschätzung geprägt, auch wenn wir inhaltlich nicht immer auf einer Linie waren. Sein Tod reißt mit Sicherheit ein großes Loch in die Tiroler Politik, aber mein aufrichtiges und tiefes Mitgefühl gilt selbstverständlich seiner Frau und seinen Kindern“, so Gatt. (TT)