Letztes Update am Mo, 04.02.2013 16:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Landespolitik

Pensionisten sind politischer Machtfaktor

Droht die Gerontokratie? Die Pensionisten entscheiden die Wahlen. Die direkte Demokratie scheint an ihre Grenzen zu stoßen.



Von Alexandra Plank

Innsbruck – „Die Jungen müssen wegen der Alten in den Gatsch hupfen“, hört man nach der Volksbefragung zu „Wehrpflicht oder Berufsheer“ immer wieder. Der Status quo, die Wehrpflicht, ist seit dem 20. Jänner „in Stein gemeißelt“. Die Pensionisten haben bei der Volksbefragung ein entscheidendes Wort gesprochen. Sie waren klarer für die Wehrpflicht als die unter 30-Jährigen, die – mit je nach Analyse unterschiedlichen Angaben – mit bis zu 63 Prozent für das Berufsheer votiert haben.

Die Jungen hatten mit ihrem Anliegen keine Chance, denn rund ein Drittel der Wähler gehört zur Generation 60 plus, unter einem Fünftel der Wähler ist unter 30 Jahre.

Doch wie sieht die Lebenswelt der 60- bis 70-Jährigen in Tirol und Österreich aus?

Der Soziologe Max Preglau versucht diese Generation zu charakterisieren: „Demographisch steigt die Lebenserwartung. Die gesundheitlichen Probleme verschieben sich nach hinten.“

Wer heute zwischen 60 und 70 Jahre alt ist, der kann mit einer hohen Wahrscheinlichkeit damit rechnen, seine Pension gesund genießen zu können. Die Generation 60 plus kann in Österreich als die Generation der Pensionisten bezeichnet werden, sagt der Politologe Peter Filzmaier. „Bei Vorträgen im Ausland wundern sich meine Kollegen immer, dass ich die Generation 60 plus Pensionisten nenne, aber das ist legitim, weil das Pensionsantrittsalter unter 60 Jahren liegt.“

Das Pensionssystem ist noch relativ großzügig gegenüber den heutigen Rentnern, ergänzt Soziologe Preglau. „Jene, die in Pension sind oder demnächst in Rente gehen, sind von Kürzungen noch gar nicht betroffen.“ Über einen Kamm scheren lasse sich die finanzielle Situation der Generation 60 plus aber nicht. „Das streut sozial extrem, je nach der vorherigen Erwerbssituation.“

Jene, die eine gute Pension haben, spielen beim Konsum und in der Tourismusbranche eine wichtige Rolle. So weisen Pensionistenhaushalte ab der mittleren Bildungsebene bis zu 11 Prozent höhere Ausgaben auf als Erwerbstätigenhaushalte.

Auch der Ausbildungsgrad der Generation 60 plus ist statistisch erfasst. In Pensionistenhaushalten sind es 31,1 Prozent, in denen die Referenzperson keine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung absolviert hat, in Erwerbstätigenhaushalten sind es nur 9,3 Prozent. Die politische Anschauung ist bewahrend.

„Die heutigen Pensionisten haben die 68er-Jahre und die liberalen 70er-Jahre hautnah miterlebt. Dennoch sind sie konservativ. Das ist aber ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das mit der schwarzblauen Wende einhergeht“, erklärt Preglau. Die 68er-Bewegung sei in Tirol und Österreich ein Minderheitenphänomen gewesen.

Pensionisten sind überwiegend Stammwähler, obwohl die Zahl der Wechselwähler steigt. „Ältere Menschen wechseln aber meistens nur zwischen zwei Parteien, junge Wähler zwischen vier und fünf Parteien“, so Filzmaier. Die Parteien haben die politische Macht der älteren Generation längst erkannt. „Sie richten ihre Programme danach aus und räumen den Seniorenvertretern eine wichtige Rolle ein“, sagt Filzmaier.

Bei künftigen Volksbefragungen sind die Jungen auf verlorenem Posten. „Ich bin dennoch nicht der Meinung, dass bestimmte Themen, die zum Generationenkonflikt führen, von einer Volksbefragung ausgenommen werden sollten.“ Filzmaier nennt dennoch ein provokantes Beispiel. „Sollte über das Pensionsantrittsalter abgestimmt werden, wird man nie eine Mehrheit für eine Anhebung bekommen.“ Als Lösung des Generationenkonflikts setzt Filzmaier auf ein Mehr an politischer Bildung. „Wir müssen erreichen, dass sich die Älteren vom reinen Interessenszugang abwenden, es braucht Gesamtverantwortung.“




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