Letztes Update am So, 17.02.2013 12:50

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Landespolitik

„Vorwärts Tirol“ ist ernst zu nehmen

Lindenberger, Hosp und Co. schaffen in der aktuellen TT-Umfrage auf Anhieb 10 Prozent. Größte Verlierer dürften ÖVP und Liste Fritz sein. LH Günther Platter baut seine Führungsposition kräftig aus.



Von Mario Zenhäusern

Innsbruck – Die Karmasin Motivforschung hat im Auftrag der Tiroler Tageszeitung zwischen 7. und 14. Februar 500 Tirolerinnen und Tiroler zur bevorstehenden Landtagswahl befragt. Die Schwankungsbreite beträgt +/- 4,5 Prozent.

Für die einschneidendste Veränderung gegenüber der letzten TT-Umfrage sorgt die Liste „Vorwärts Tirol“. Obwohl erst seit wenigen Wochen im Rennen und in einigen Bezirken noch immer auf Kandidatensuche, hat das Team rund um die beiden Ex-Landesräte Hans Lindenberger und Anna Hosp dem Team Stronach den Titel des besten Neulings im Handstreich abgenommen. Mit zehn Prozent der Stimmen ist „Vorwärts“ sogar gleich auf Anhieb zweistellig. Da staunt auch Meinungsforscherin Sophie Karmasin: „Dass ,Vorwärts Tirol‘ aus dem Stand so hohe Werte erreicht, ist für mich schon eine Überraschung. Diese Gruppierung ist sicher eine ernstzunehmende Größe.“

Für Karmasin sammelt die neue Gruppierung von allen Gruppierungen Stimmen, „wobei es am stärksten natürlich die ÖVP“ treffe. Die ist in der aktuellen Umfrage auf 36 Prozent abgerutscht. Gegenüber der Silvester-Umfrage sind das 5 Prozentpunkte, gegenüber der Umfrage Mitte November 3 Prozentpunkte weniger. „Absolut betrachtet ist der Rückgang in der ÖVP der stärkste“, analysiert Karmasin, „aber hier ist auch die größte Basis vorhanden.“

Das Bürgerforum Tirol/Liste Fritz büßt ebenfalls Stimmen ein, kommt nur noch auf 4 Prozent und halbiert sich gegenüber den letzten Umfragen fast. Das Team Stronach liegt mit 5 Prozent nur unwesentlich besser.

Die Grünen kommen in der aktuellen Umfrage auf 13 Prozent, verlieren also auch, während die SPÖ stabil bei 15 Prozent bleibt und die Freiheitlichen auf 11 Prozent zulegen. Eine untergeordnete Rolle spielen die Listen „Gurgiser & Team“ (2 %), die KPÖ (1 %), „Für Tirol“ (2 %) und die Piraten (1 %), wobei Karmasin hier einschränkt: „Es ist schwierig, in Tirol punktgenaue Prognosen zu erstellen, weil diese vielen kleinen Gruppierungen natürlich auch hohe Schwankungsbreiten haben.“

Dass die ÖVP angesichts der neuen Konkurrenz durch Lindenberger, Hosp und Co. zwar Stimmen verlieren, aber trotzdem so stark bleiben wird, dass keine Regierung gegen sie möglich ist, glauben fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent). Wobei die Männer mit 51 Prozent eher zu dieser Ansicht neigen als die Frauen (43 %). Die höchste Zustimmung zu dieser Formulierung kommt übrigens von Sympathisanten der Grünen (67 %) und der Piraten (65 %), KPÖ, Gurgiser&Team, FPÖ und „Für Tirol“ rangieren mit 38 Prozent am anderen Ende der Tabelle.

Als „erstaunlich hoch“ bezeichnet Politik-Expertin Karmasin die Tatsache, dass 31 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass die ÖVP trotz des Antretens von „Vorwärts Tirol“ stabil bleibt und sich alle anderen Parteien, vor allem die kleineren Gruppierungen, gegenseitig die Stimmen wegnehmen. Die geringste Zustimmung kommt bei dieser Fragestellung aus dem Lager der Piraten und von „Vorwärts Tirol“, die höchste von Fritz Gurgisers Wählern.

Lediglich neun Prozent aller Befragten sind der Ansicht, dass die Herausforderer mit „Vorwärts Tirol“ an der Spitze für einen Machtwechsel sorgen und die ÖVP in Opposition schicken. Die Anhänger von Fritz Gurgiser (0 %), ÖVP, SPÖ und FPÖ (je 3 %) sind hier stark unterrepräsentiert, jene der KPÖ (45 %), von „Vorwärts Tirol“ (32 %) und der Piraten (26 %) hingegen sind überdurchschnittlich vertreten.

Von der abnehmenden Zustimmung zur ÖVP anscheinend nicht betroffen ist Landeshauptmann Günther Platter. Im Gegenteil. Bei der (rein theoretischen) Direktwahl-Frage baut er seine Position aus. Mit 38 Prozent liegt er klar vor seinen Herausforderern: Gerhard Reheis (SPÖ) kommt auf 8 Prozent, Ingrid Felipe (Grüne) und Hans Lindenberger (Vorwärts Tirol) würden 5 Prozent der Befragten ihre Stimme geben, Fritz Gurgiser käme auf 3 und Gerald Hauser (FPÖ) auf 2 Prozent. Platter liegt damit übrigens erstmals auch vor dem großen Anteil der Nicht- bzw. Weiß-Wähler und Unentschlossenen, die in Summe auf 37 Prozent kommen.

Was die weitere Entwicklung in Tirol anbelangt, schätzt Karmasin, dass „für ,Vorwärts Tirol‘ schon noch ein, zwei Prozentpunkte drin sein können“. Einen Erfolg im Ausmaß von 18 Prozent, wie ihn Fritz Dinkhauser 2008 erreichte, traut die Meinungsforscherin der jungen Gruppierung indes nicht zu. Schließlich fischt u. a. das Team Stronach im selben Wählerteich – auch wenn Karmasin dessen Chancen skeptisch beurteilt: „Das wird davon abhängen, wie sich das neue Team aufstellt. Aber gemeinsam könnten sie die 18 Prozent schaffen.“




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