Letztes Update am Mo, 11.11.2013 20:33

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Landespolitik

Güterzüge fahren nachts unterirdisch

Bis Mitte 2015 müssen alle Bahnlogistiker ihre Loks auf das neue System für die Unterinntaltrasse umrüsten.



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Der Vomper Bürgermeister Karl-Josef Schubert ist begeistert. Ab Mitt­e Dezember donnern die schweren Güterzüge nachts, wo es geht, unterirdisch durch das Unterinntal. „Damit können die Unterländer ruhiger schlafen.“ Schubert ist Bahnfan. Die Bahn müss­e möglichst attraktiv sein, um eine Verlagerung von der Straße auf die Schiene zustande zu bringen. Der Vomper Bürgermeister möchte nicht nur weniger Lärm, sondern auch eine bessere Luft. Den schmucken Titel Sanierungsgebiet für weite Strecken des Unterinntals gelte es loszuwerden. Dafür wäre Schubert auch bereit, Tempo 100 für Pkw einzuführen.

Der Vomper Bürgermeister saß stellvertretend für seine Amtskollegen aus allen betroffenen Gemeinden gestern am runden Tisch im Landhaus. Die grüne Verkehrs­landesrätin Ingrid Felipe hatte 21 Akteure von Lokherstellern über Bahnlogistiker bis hin zu den ÖBB und Vertretern des Verkehrsministeriums zur Verhandlungsrunde gerufen. Wie berichtet, konnten nur die ÖBB ihre Güterzüg­e unterirdisch fahren lassen. Für die Tunnels brauche es das modernste Sicherheitssystem. Das hätten private Bahnlogistiker aber nicht. Die Umrüstung der Loks brauche Zeit und viel Geld, argumentierten sie. Gestern nun einigte man sich auf eine Übergangslösung. Bis Mitte 2015 dürfen auch jene Loks nachts durch die Tunnels fahren, die nicht das neueste System installiert haben. „Das ist vertretbar, weil die betroffenen Züge nur mit 100 km/h unterwegs sind und nachts nur Güter­züge fahren“, erklärt der Pressesprecher der ÖBB, Rene Zumtobel. Lange Zeit hatten sich die ÖBB gesträubt, die Züge fahren zu lassen. „Es geht auch uns um eine Entlastung der Bevölkerung. Der Druck der Anrainer war groß.“

„Es gibt einen ersten Erfolg“, sagte Landesrätin Felip­e direkt im Anschluss an die Sitzung. Die zuständige Vertreterin des Verkehrsministeriums habe zugesagt, dass in der Nacht alle Güterzüge in der Unterinntaltrasse fahren könnten. „Damit ist eine Lösung in Reichweite.“ Die ÖBB würden in den nächsten zwei Wochen prüfen, wie die Verlagerung der Güterzüge zu bewerkstelligen sei. „Wir haben dazu eindeutige Rechtsmeinungen aus der zuständigen Abteilung in der Europäischen Kommission und von der im Verkehrsministeriu­m zuständigen Behörde.“ Die Unterinntaltrasse sei für beid­e Sicherheitssysteme zugelassen, erklärt Felipe.

75 Prozent der gesamten Güterzüge sind schon jetzt nachts unterirdisch unterwegs. Es sind jene der ÖBB, die bereits umgerüstet sind.




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