Letztes Update am Mi, 08.01.2014 15:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Landespolitik

Experten appellieren an EU

27 renommierte österreichische Wissenschafter verlangen in Brüssel die Natura-2000-Unterschutzstellung der Isel. LHStv. Felipe: „Weitere Erhebungen sind noch nötig.“



Von Catharina Oblasser

Wien, Innsbruck, Brüssel – Schon einmal war Georg Grabherr federführend für den Schutz der Isel unterwegs: Im Mai des Jahres richtete er einen Brief an den damaligen Umweltminister Nikolaus Berlakovich, an LH Günther Platter (VP) und dessen Stellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne). Ein Isel-Kraftwerk, wie es die Gemeinden Prägraten und Virgen planen, sei mit dem Schutz der Tamariske nicht vereinbar und deshalb abzulehnen.

Hintergrund: Die streng geschützte Tamariske dient als Zeiger-Pflanze für den naturbelassenen Zustand des Osttiroler Gletscherflusses und begründet damit unter anderem, dass die Isel als Natura-2000-Schutzgebiet ausgewiesen werden soll. Das Verfahren läuft mittlerweile seit über zehn Jahren.

Nun legt der Botaniker ein Schäuferl nach und geht gleich zum Schmied und nicht zum Schmiedl. In einem Schreiben an EU-Kommissar Janez Potocnik, zuständig für das Umweltressort, ersucht er diesen, „den Prozess der Natura-2000-Werdung des Gletscherflusssystems Isel zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen“.

Grabherr, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, österreichischer Wissenschafter des Jahres 2012 und Träger des österreichischen Naturschutzpreises, ist mit seinem Vorstoß nicht allein. Mitunterzeichner des Briefes sind 26 renommierte Experten, darunter Bernd Lötsch und Universitätsprofessoren aus Innsbruck, Wien, Graz, Salzburg und Erfurt.

Die Unterzeichner lassen in ihrem Schreiben auch Kritik laut werden: Österreich habe sich verpflichtet, Richtlinien zur Erhaltung der wildlebenden Tiere und Pflanzen in die nationale Gesetzgebung aufzunehmen. „In diesem Bereich sind die bisherigen Bundesregierungen ihrer Pflicht zur Nominierung [...] als Natura-2000-Gebiet nicht ausreichend nachgekommen“, so der Wortlaut des Briefes.

Zugleich unterbreiten Grabherr und seine Mitstreiter dem EU-Kommissar auch gleich den so genannten „Standard-Datenbogen“, der für die Unterschutzstellung nötig ist. Das hätten die österreichischen Stellen nämlich noch immer nicht getan, merkt Grabherr an. Zur Erinnerung: In Sachen Isel hatte die EU Österreich und Tirol im Oktober rechtliche Schritte angedroht, wenn diese in der Causa „Natura 2000“ weiter säumig bleiben.

LHStv. Ingrid Felipe weiß von den Bemühungen der Wissenschafter, wie sie auf Anfrage der TT erklärt. Das gebe ihr auch die Sicherheit, dass Nominierungsbedarf gegeben sei. „Wenn so namhafte ExpertInnen sich lautstark zu Wort melden, hat das viel Gewicht“, lässt sie wissen. Das Mahnschreiben der EU sei abgestimmt mit allen Bundesländern und dem Bundeskanzleramt beantwortet worden. Für den Nominierungsprozess bei „Natura 2000“ sei aber mehr Zeit nötig. „Zum Teil braucht es noch fundierte fachliche Erhebungen“, so Felipe.




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