Letztes Update am Mi, 15.01.2014 10:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EXKLUSIV

Modellversuch Gesamtschule: Kinder weiter im Gymnasium

Im Zillertal startet im Herbst 2014 der Modellversuch Gesamtschule. Dennoch werden und dürfen Kinder weiter in die Gymnasien auspendeln.



Von Brigitte Warenski

Innsbruck, Schwaz – Die gemeinsame Schule für alle 10- bis 14-Jährigen sorgt seit Tagen für einen heftigen parteiinternen Streit in der ÖVP. Tirol gehört zu jenen fünf Landesorganisationen, die trotz der ablehnenden Haltung der Bundes-ÖVP im Herbst, wie berichtet, mit einem Modellversuch starten wollen. Das Projekt im Zillertal hat jedoch einen großen Haken. Gesamtschule heißt, dass wirklich alle ohne Ausnahme in eine gemeinsame Schule gehen, und das soll in diesem Fall die Neue Mittelschule (NMS) in Zell am Ziller sein.

In Wirklichkeit ist es aber so, dass die Zillertaler Kinder, die ein Gymnasium besuchen wollen, dies auch weiter tun werden und auch dürfen. „Rechtlich ist es gar nicht möglich, dass den Kindern der Besuch an unserem Gymnasium verwehrt werden kann. Niemand kann verpflichtet werden, in eine Modellversuchs-Gesamtschule zu gehen“, sagt Christoph Berger, Direktor des BRG/BORG in Schwaz. Derzeit besuchen „gar nicht wenige Kinder aus dem Zillertal das Gymnasium, vereinzelt haben Eltern auch schon nachgefragt, ob das auch weiterhin mit dem Modellversuch möglich sei, erzählt Berger. Auch ins Bischöfliche Gymnasium Paulinum in Schwaz pendeln Zillertaler Kinder, wenn auch „nicht allzu viele“, sagt Direktor Bernhard Schretter. Auch für ihn ist der Modellversuch nicht klar nachvollziehbar: „Geht es nach der Logik, müssten alle Kinder ohne Ausnahmen in die NMS Zell am Ziller gehen, und dafür bräuchte es aber eine Gesetzesänderung.“

Landesrätin Beate Palfrader weiß um die Problematik, ist aber dennoch vom Modellversuch überzeugt. „Mir geht es jetzt darum, dass man die gemeinsame Schule an einem Standort wissenschaftlich begleitet. Was danach kommt, ist ergebnisoffen. Das Zillertal, wo es schon jetzt nur Neue Mittelschulen und kein Gymnasium gibt, ist derzeit aufgrund der gesetzlichen Regelung das einzig mögliche Szenario.“ Es habe zwar Gespräche mit den Gymnasien in Schwaz gegeben, „aber die Schulen waren nicht bereit, in diesem Umfang mitzumachen. Es gibt aber eine enge Zusammenarbeit, was den Plan betrifft, eine gemeinsame Oberstufenklasse in Zell am Ziller einzurichten“, so Palfrader. Auch das Vorhaben Palfraders, Modellschulen an weiteren Standorten einzurichten, ist derzeit rechtlich nicht umsetzbar. In Bezirken, in denen es nur ein Gymnasium gibt, „muss laut Schulorganisationsgesetz dieses auch erhalten bleiben. Hier haben wir nur eine Chance, wenn sich der Bund doch noch durchringt, rechtlich neue Möglichkeiten zu schaffen.“ Noch größer sind die Hürden für einen flächendeckenden Versuch, „der zum jetzigen Zeitpunkt nur eine Vision sein kann“, sagt Palfrader: Hierfür bräuchte es eine Änderung im Bundesverfassungsgesetz, und diese kommt nur bei einer Zweidrittelmehrheit im Nationalrat zustande. Sollte es so weit kommen, dann hieße es aber auch für die Privatschulen wie das Paulinum, „sich den neuen Verhältnissen unterzuordnen“.




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