Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 01.05.2014


Landespolitik

Kalkkögel-Studie zündet Streit neu an

Mit der Präsentation der Bergbahnenstudie ist die Verbindung Schlick/Lizum wieder auf dem Tapet. An den verhärteten Fronten ändert dies aber wenig.

Ein Versprechen des grünen Wahlkampftrios Baur, Felipe und Mair (v. l.): Das Ruhegebiet der Kalkkögel bleibe tabu.

© Thomas Böhm / TTEin Versprechen des grünen Wahlkampftrios Baur, Felipe und Mair (v. l.): Das Ruhegebiet der Kalkkögel bleibe tabu.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Beim so genannten „Brückenschlag“ sieht Heinrich Klier rot. Wieder, wohlgemerkt. Der Gletscher-Pionier des Stubaitals hat für die lifttechnische Verbindung zwischen der Axamer Lizum und der Schlick 2000 so gar nichts übrig. Nicht etwa, weil der Zusammenschluss nur mitten durch das Ruhegebiet der Kalkkögel zu realisieren wäre, sondern schlicht und einfach aus der Tatsache heraus, dass „sich die Gäste nicht fürs Seilbahnfahren interessieren“. Und mehr als eine Gondelfahrt würde es zwischen der Schlick und der Lizum auch nie geben. In einem Brief an FPÖ-Landeschef Markus Abwerzger, in welchem Klier ihn in dessen Brückenschlag-Nein vollinhaltlich zustimmt, dementiert Klier gleichzeitig aber auch das Gerücht, die Stubaier Gletscherbahnen hätten für den Brückenschlag eine finanzielle Unterstützung zugesagt. Klier denkt nicht einmal daran, weil „wir diese Verbindung für eine Fehlinvestition halten“. Stattdessen halte er das Erschließungsprojekt im Bereich der Mildraun Alm von Neustift aus für „hervorragend“.

Die Studie der Schweizer Firma grischconsulta kommt in ihrer Analyse der Bergbahnen rund um Innsbruck zum Schluss, dass lediglich eine große Lösung von wirtschaftlichem Erfolg gekrönt werden könnte. Dazu gehören die Sanierung des Patscherkofels, der kleine Zusammenschluss Muttereralm und Lizum sowie eben die Kalkkögel-Überquerung, die TT berichtete. In Summe seien 120 Mio. € (auf zehn Jahre gerechnet) aufzubringen. Der jährliche Abgang wird mit 700.000 Euro angenommen, es könnte auch weniger sein, heißt es. Die Studie wurde gestern u. a. der Wirtschaftskammer sowie Alpenverein und Landesumweltanwaltschaft präsentiert.

Zahlen, die LHStv. Ingrid Felipe und ihre grüne Amtskollegin in der Stadt Vize-BM Sonja Pitscheider nicht beeindrucken können. Das Ruhegebiet bleibe tabu. Basta, sagt Felipe: „Solange wir Grüne in der Landesregierung sind, wird das Gesetz nicht verändert.“ Für Pitscheider ist klar, dass es „sinnvoll ist, den Patscherkofel als Naherholungsgebiet zu entwickeln“. Nicht aber den Brückenschlag: „Hier wollen manche mit dem Kopf durch die Wand – da die Wand das Ruhegebiet Kalkkögel ist, werden maximal Kopfschmerzen dabei herauskommen.“

Die Befürworter wähnen indes mit der Studie nun endlich ein erfolgsversprechendes Argument in den Händen zu halten. WK-Präsident Jürgen Bodenseer gibt sich schon siegessicher und freut sich via Aussendung sogar auf „die sportliche Hochzeit des Jahres“. Die große Lösung sei für ihn Ausdruck eines „gesunden Menschenverstandes“, zumal Innsbruck als „Sportstadt von Weltruf auch ein Skigebiet mit Niveau“ benötige. Die Eingriffe in das Ruhegebiet seien nur minimal – und „auch ein Investor steht bereit“. In den Kanon der Befürworter stimmt auch Franz Hörl, Fachverbandsobmann der Tiroler und Österreichischen Seilbahnen ein: „Alle anderen Varianten würden dauerhafte Zuschussbetriebe schaffen.“ Jetzt müssten schnell die Rahmenbedingungen geschaffen werden, „ohne daraus ein politisch-ideologisches Schlachtfeld zu machen“.

Dass die Verbindung Schlick/Lizum sehr wohl eine Zukunftsoption sei, hält Innsbrucks Oppositions-Stadtrat Franz Gruber (ÖVP) für gegeben. Die Empfehlung der Studie, die oberen Skisektion des Patscherkofels stillzulegen, teilt er aber nicht: „Die Idee eines Tourenbergs ohne Beschneiung ist unrealistisch.“