Letztes Update am Mi, 09.07.2014 06:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Landespolitik

FPÖ setzt Privatdetektiv auf Innsbrucks Bettler an

Hinter den Bettlern stecke eine „hierarchische Struktur“. Das Material des Detektivs werde der Polizei und der Staatsanwaltschaft übergeben.



Von Katharina Zierl

Innsbruck – Die Bettlerszene in Innsbruck nahm ein Innsbrucker Privatdetektiv kürzlich genau unter die Lupe. Im Auftrag der Tiroler FPÖ beobachtete er zwei Monate lang, ob und wie die Bettler organisiert sind. Eine Maßnahme, die auch kritisch beäugt wird. „In meinen Augen sind nicht arme Menschen, sondern die Armut das Problem. Ein Sozialdetektiv in vernachlässigten Regionen Europas zur Aufdeckung diskriminierender Strukturen und Benachteiligung von Minderheiten würde näher an der Ursache des Problems greifen“, sagt etwa Tirols Soziallandesrätin Christine Baur.

Die Ergebnisse des Detektivs sind zumindest laut Angaben der FPÖ eindeutig: „Es gibt Standplätze, die zugeordnet werden und ­hierarchische Strukturen. Das ist alles streng organisiert“, fasste Landesparteiobmann Markus Abwerzger gestern bei einer Pressekonferenz in Innsbruck das gesichtete Material des Detektivs zusammen. Die Bettler würden nach getaner Arbeit von mehreren Fahrzeugen abgeholt und danach zu einem Bus gebracht. Auch Geldübergaben sollen dort beobachtet worden sein. „Das Geld konnte man auf den Fotos zwar nicht sehen, aber die Bewegungen der Personen deuten klar darauf hin“, sagt Abwerzger. Zwischen 80 und 90 Euro erhält ein Bettler laut Hochrechnung des Detektivs pro Tag. „Pro Monat würde das insgesamt weit mehr als 20.000 Euro für den Bettlerring ergeben“, betont der Landesparteiobmann. Darüber hinaus macht das Material laut Angaben der FPÖ deutlich, dass Betteln mit Kindern sowie aggressives Betteln in Innsbruck durchaus auf der Tagesordnung stünden. Nach dem Tiroler Landespolizeigesetz sei gewerbliches Betteln verboten, betonen Abwerzger und Federspiel: „Man könnte die ganze Bettlerszene in Innsbruck sofort unterbinden.“

Das Vorspielen körperlicher Beeinträchtigungen sei ebenfalls keine Seltenheit, sagt Federspiel: „Bettler, die untertags gebückt und mit Krücken gehen, fahren dann gemütlich mit dem Roller.“

Es könne natürlich vorkommen, dass Menschen unter Vorspielung falscher Tatsachen versuchen, mehr Geld zu bekommen, erklärt Baur. „Wir sollten aber bedenken, dass für notreisende Menschen der Schritt auf die Straße kein selbstverständlicher ist, sondern mit Angst, Scham und Erniedrigung verbunden ist“, betont die Landesrätin. Es sei keine Situation, die sich jemand erwünsche oder erträume. „Dann nach Wegen zu suchen, aus dieser Situation das Beste zu machen, ist zu einem gewissen Grad verständlich“, erklärt Baur. Jegliche Form der Betrügerei halte die Sozialländesrätin für „gesellschaftsschädigend“ und könne sie „nicht gutheißen“.

Die FPÖ will die Ergebnisse des Detektivs sowohl der Polizei als auch der Staatsanwalschaft übergeben. Die Touristen würden laut Federspiel schließlich schon nachfragen, ob Innsbruck eine arme Stadt sei, weil so viele Menschen auf der Straße betteln müssen.