Letztes Update am Do, 17.07.2014 22:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Ortschefs griffen selbst ein und sorgen für Natura-2000-Wirbel

Der von den Osttiroler Ortschefs beauftragte Tamarisken-Gutachter distanziert sich von den „politischen“ Vorschlägen seiner Auftraggeber.



Von Peter Nindler

Innsbruck, Lienz – Über die von der EU eingemahnte zusätzliche Ausweisung von Natura-2000-Schutzgebieten an der Isel sind die Osttiroler Bürgermeister nicht glücklich. Schließlich werden am Kalser- und Tauernbach, an der oberen Isel und an der Schwarzach Kraftwerke geplant. Umweltschutzorganisationen wie der Umweltdachverband, Alpenverein und Netzwerk Wasser Osttirol fordern hingegen eine rigorose Unterschutzstellung der Deutschen Tamariske, einer höchst erhaltenswerten Strauchart.

Die Bürgermeister des Planungsverbands 34 (Matrei i. O., Kals, Virgen- und De­fereggental) haben deshalb eine Studie über das Vorkommen und Entwicklungspotenzial der Tamariske in Auftrag gegeben. Seit Monaten wurde über das Gutachten spekuliert, am Montag haben es die Kommunalpolitiker Umweltreferentin LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) und Energiereferent LHStv. Josef Geisler (VP) übergeben. Die fachliche Grundlage für den nächsten runden Tisch am 24. Juli in Kals wurde gelobt, deckt sich die Bewertung doch im Großen und Ganzen mit Untersuchungen des Landes. Was auseinanderklafft, sind jedoch die künftigen Schutzgebiete.

150 Hektar wollen die Bürgermeister ausweisen, die geplanten Kraftwerke sollen dabei die neuen Natura-2000-Zonen nicht berühren. Das Land sieht es anders. Warum? Das ist spätestens seit der Überprüfung durch die zuständige Umweltabteilung klar: Denn nicht der Gutachter der Tamarisken-Studie Gregory Egger hat die Vorschläge erarbeitet, sondern der Raumplaner der Gemeinde Matrei i. O. erhielt diesen Auftrag. Er hat ihn dann in der Vorwoche erledigt.

Gregory Egger vom Klagenfurter Umweltbüro, der für den Osttiroler Planungsverband die Tamarisken-Studie verfasst hat, bestätigte gegenüber der TT, dass das nicht seine Vorschläge seien. U. a. habe er empfohlen, den gesamten Kalserbach als Natura-2000-Schutzgebiet auszuweisen. „Außerdem kann es keine Zerstückelung geben.“

Für Zündstoff vor dem nächsten runden Tisch ist jedenfalls gesorgt. Zum einen wurde ohnehin bereits Kritik am Vorstoß der Bürgermeister geübt, andererseits befürchtet das Land, dass durch den politischen Vorschlag Öl ins Feuer gegossen wird. Überlagert werden die Debatten über die Natura-2000-Ausweisungen von schwarz-grünen Irritationen. Zuletzt haben die Abgeordneten LA Martin Mayerl (VP) – er ist auch Vizebürgermeister von Dölsach – und der grüne Klubchef Gebi Mair nicht unbedingt Freundlichkeiten ausgetauscht. ÖVP-Klubchef Jakob Wolf sieht aber keine heraufziehende Koalitionskrise. „Die Natura-2000-Frage wird fachlich gelöst.“