Letztes Update am So, 20.07.2014 22:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Kleiner Ort, große Finanzkraft

Reith bei Kitzbühel ist laut einem aktuellen Ranking die Gemeinde Österreichs mit der höchsten Bonität. Das Credo des Ortschefs ist ganz klar: keine Schulden machen.



Von Marco Witting

Innsbruck, Reith – Sie sind die Spitzen-Reither. Die Gemeinde Reith bei Kitzbühel führt gemeinsam mit St. Johann im Pongau die Rangliste der finanzstärksten Kommunen Österreichs an. Für den Bürgermeister der 1600-Seelen-Gemeinde ist das einerseits eine „Momentaufnahme“, andererseits aber auch „positiv“ und eine Bestätigung für die Arbeit. Das oberste Credo ist: keine Schulden.

Der Duft des Geldes, den kann man rund um Kitzbühel schon lange riechen. Dass Reith jetzt aber die reichste Gemeinde Österreichs sei, das will Bürgermeister Stefan Jöchl so nicht stehen lassen. „Wir sind nahezu schuldenfrei, das stimmt. Aber im Normalfall haben wir etwa aus Kommunalsteuern nur sehr geringe Einnahmen.“ Das Ranking des Gemeindemagazins public, das jährlich veröffentlicht wird, vergleicht in einem komplexen Bewertungssystem Gemeinden gleicher Größe hinsichtlich ihrer Finanzkraft. Mit ausschlaggebend für die Bonität: öffentliche Sparquote, Eigenfinanzierungsquote, Schuldendienst, finanzielle Leistungsfähigkeit. Basis für die Untersuchung, die übrigens nur die besten 250 Gemeinden auflistet, sind Daten des KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung.

Insgesamt finden sich 39 Tiroler Gemeinden unter den bundesweit finanzstärksten Gemeinden. Auffällig dabei ist, dass Gemeinden über 10.000 Einwohner zwar finanzstark sind, aber sehr hohe Transferleistungen leisten müssen. Relativ leichter tun sich da Gemeinden zwischen 2500 und 5000 Einwohnern.

Zurück nach Reith: Hier hat die Gemeinde zuletzt Rücklagen etwa für die Beteiligung an der Hauptschulsanierung gebildet. Werden diese aufgelöst, so ist sich Jöchl sicher, steht die Gemeinde im Finanzranking nicht mehr so gut da. Die größte Herausforderung im Ort sei aber ohnehin eine andere: „Die sehr hohen Grundpreise sind Fluch und Segen. Für die Einheimischen einen leistbaren Grund zur Verfügung zu stellen, ist eine enorme Herausforderung.“ Die Aufgaben in der Gemeinde würden jedenfalls immer mehr. „Bei der Kinder- und Altenbetreuung müssen auch wir der sich verändernden Gesellschaft Rechnung tragen.“

Die zweitbeste Tiroler Kommune im Ranking ist Kolsass (Platz 12), der größte Aufsteiger Stummerberg. Von „plötzlichem Reichtum“ will Ortschef Georg Danzl aber nichts wissen. Ein getilgtes Darlehen vom Bau der Kanalisierung hievte die Zillertaler im Gesamtranking auf Rang 17. „Keine Schulden machen“, erläutert auch Danzl sein Erfolgsrezept. Kein populäres oftmals – weder im Gemeinderat noch bei der Bevölkerung. Aber: „Man macht sich sicher beliebt, wenn man viel verspricht, aber es ist viel wichtiger, das System aufrechtzuerhalten.“

Ein paar Kilometer taleinwärts, in Rohrberg, registriert Bürgermeister Johann Schreyer einen bundesweiten Stockerl-Platz in einer anderen Kategorie der Rangliste. Seine Gemeinde wuchs in den vergangenen 10 Jahren um 38,9 Prozent. Das mögen dank eines Siedlungsbaus nur 150 zusätzliche Einwohner sein, stellt die Gemeinde aber trotzdem vor Aufgaben. Zumal die Baugründe innerhalb von zwei Jahren weg waren. Viel schneller, als man ursprünglich gedacht hat. „Der Druck aus den Nachbarorten ist einfach so groß gewesen“, sagt Schreyer. Auf jede Wohnung kämen 15 bis 20 Bewerber.




Kommentieren


Schlagworte